Reisebericht Teil 1: Kreuzfahrt mit der Ocean Majesty durch die Adria

MS Ocean Majesty vor dem Vesuv. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Ocean Majesty vor dem Vesuv. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Von Genua entlang der Amalfiküste über Lipari bis Stromboli

Im ersten Teil unseres Reiseberichts kreuzen wir mit der Ocean Majesty zwischen Genua und dem Vulkan Stromboli, fahren dabei entlang der malerischen Amalfiküste, besuchen die Costa Smeralda und die zauberhaft schöne Insel Lipari.

Tag 1: 08. Oktober 2017 Genua

In Norddeutschland ziehen die Tiefdruckgebiete seit Tagen wie an einer Perlenschnur vorüber und sorgen für ungemütliches Herbstwetter. So auch am heutigen Morgen, als unser Flugzeug von Hamburg aus via Paris in Richtung Genua abhebt. Erst nach dem Überqueren der Alpen lockert die Wolkendecke auf und die Sonnenstrahlen spiegeln sich in der glatten Wasseroberfläche des Mittelmeers. Kurz darauf landen wir in Genua. Die Anreise zum Kreuzfahrtterminal in Genua, die Ocean Majesty liegt an der Stazione Marittima, erfolgt für alle Gäste in Eigenregie. Es sei denn die Anreise wurde über Hansa Touristik gebucht.

Für die Fahrt vom Flughafen in Genua zum Hafen nutzen wir den öffentlichen Busshuttle, welcher etwa alle 30-45 Minuten zum Piazza Principe fährt. Von dort aus sind es circa 10 Gehminuten zum Terminal. Die Strecke ist auch mit Gepäck zu bewältigen. Alternativ stehen am Piazza Principe Taxis bereit.

Unsere kleine, weiße Lady Ocean Majesty liegt bereits am Terminal und erhält von der Crew den letzten Feinschliff, bevor die Einschiffung beginnt. Es ist die letzte Kreuzfahrt der Saison 2017. Der schmucke, 136m lange und 10.417 BRZ große Kreuzfahrtklassiker fährt in den Sommermonaten im Vollcharter des Stuttgarter Familienunternehmens Hansa Touristik. Pünktlich um 16:00 Uhr gibt Kapitän Giannis Papangelis das Kommando „Leinen los“ zur Saison-Abschlusskreuzfahrt. Und die hält wunderbare Anlaufhäfen abseits der üblichen Rennstrecken großer Megaliner bereit.

MS Ocean Majesty Abfahrt Genua. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Ocean Majesty Abfahrt Genua. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Auf Wiedersehen Genua

Das Auslaufen aus Genua gehört zwar nicht zu den Kreuzfahrt-Erlebnissen schlechthin, ist aber dennoch recht sehenswert. Nach einem kurzen Wendemanöver dauert es nur rund 10 Minuten bis die offene See erreicht ist.

In der Hansa-Show-Lounge finden die ersten Lektorenvorträge statt und geben einen ersten Ausblick auf das, was uns während der kommenden Tage erwarten wird.

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Tag 2: 09. Oktober 2017 Olbia, Sardinien

Guten Morgen Olbia

Nach nur 214 Seemeilen kommt vor Sonnenaufgang die steile Küste von Sardinien in Sichtweite. Goldgelb geht die Sonne hinter den Bergen auf, Möwen fliegen kreischend um die Ocean Majesty herum, der Lotse wird an Bord genommen. Was für ein schöner Morgen!

Still geworden ist es im Hafen von Olbia, denn die Hauptsaison ist inzwischen vorbei. Wir entschließen uns heute dazu, an einem geführten Landausflug entlang der berühmten Costa Smeralda teilzunehmen. Grundsätzlich ziehen wir individuelle Fahrten vor, um ein größeres Zeitfenster zu haben und zusätzliche Fotostopps einlegen zu können. In Olbia gestaltet sich das aber mitunter nicht ganz so reibungslos und zügig wie anderswo. Also, gesagt, getan und gleich nach der Ankunft in den richtigen Ausflugbus gesetzt. Auf geht´s in Richtung Costa Smeralda. Unser letzter Besuch liegt mehr als 10 Jahre zurück.

Sonnenaufgang über Olbia MS Ocean Majesty. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Sonnenaufgang über Olbia MS Ocean Majesty. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Die Costa Smeralda hieß früher Monti di Mola

Als Costa Smeralda wird der zerklüftete, rund 50 Kilometer lange Küstenabschnitt im Nordosten Sardiniens, zwischen Palau und Olbia bezeichnet. Der Name rührt vom smaragdgrünen Schimmern des Wassers in dieser Region her und entsprang kreativen Köpfen in den Marketingabteilungen internationaler Werbefirmen, in Zusammenarbeit mit Investmentunternehmen. Bis in die 1950er Jahre hatte der Küstenabschnitt nämlich nicht den klangvollen Namen Costa Smeralda sondern nannte sich Monti di Mola, was so viel wie „Mühlstein-Berge“ bedeutete. Das war kein Name mit dem man Millionäre anlocken konnte. Mit dem Namen verschwand seinerzeit ebenso die Unberührtheit. Nach der Investition von Milliardenbeträgen entwickelte sich die Costa Smeralda in den 1970er Jahren neben Malaga, der Côte d´Azur, Monaco und Sanremo zu einem der beliebtesten Jetset-Regionen im Mittelmeer. Die Costa Smeralda stand für Exklusivität, unbezahlbaren Luxus, Megajachten, Ferienresorts für Manager und deren Familien sowie als Treffpunkt für Stars und Sternchen.

In jüngster Zeit hat die Costa Smeralda viel von ihrem Glanz und der Anziehungskraft verloren, sodass im Hauptort Porto Cervo in den kommenden Jahren wieder groß investiert werden soll.

Das Bergdorf San Pantaleo

Wir halten zunächst im kleinen Bergdorf San Pantaleo, das eingerahmt zwischen Granitfelsen liegt. Besonders auffällig ist die Bauweise der kleinen, flachen Häuser, welche an die alten Behausungen der sardischen Hirten erinnert. Wunderschön angelegt ist die kleine Piazza, welche von Oleanderbäumen begrünt und zugleich eingerahmt wird. Den zentralen Mittelpunkt der Piazza bildet die Pfarrkirche von San Pantaleo, um die herum 1895 der zentrale Ortskern entstand. San Pantaleo ist heute vor allem bekannt als Künstlerdorf. Viele Künstler haben sich nach San Pantaleo zurückgezogen und stellen hier, inspiriert von der wunderbaren Landschaft und der Ruhe, ihre Werke her. Es finden sich zahlreiche Läden mit handgenähten Kleidern, Tüchern, Schmiedekunst, Holzarbeiten und Keramik. In den Sommermonaten ist San Pantaleo eine bekannte und traditionelle Aperitiv-Location an der Costa Smeralda. Nach einem kurzen Aufenthalt setzen wir die Fahrt in Richtung Baia Sardinia fort.

Bergdorf San Pantaleo, Costa Smeralda, Sardinien. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bergdorf San Pantaleo, Costa Smeralda, Sardinien. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Baia Sardinia mit Traumstrand und Nightlife

Nach Porto Cervo hat sich Baia Sardinia in den 1960er Jahren als eines der beliebtesten Urlaubs- und Badeziele an der Costa Smeralda entwickelt. Es liegt die Vermutung nahe, dass der Name Baia Sardinia ebenfalls von den damaligen Marketingprofis kreiert wurde. Und so ist es auch, denn bis 1961 nannte sich der Küstenort noch Cala Battistoni. Heute stehen in der malerischen Bucht etwa 400 Luxusvillen, Appartements und ein Dutzend Hotels. Der Mittelpunkt des Ortes wird durch eine elegante Promenade sowie eine kleine Piazza gebildet. Um die Bucht herum führt ein kleiner, versteckter Wanderweg, den es sich lohnt entlang zu laufen. Immer wieder erhascht man auf diese Weise wunderschöne Ausblicke auf den Hauptstrand sowie zwischen Felsen eingebettete Strandabschnitte und Bademöglichkeiten. Die verfügbare Zeit reicht aus, um diesen Weg einmal entlang zu laufen und eine Runde durch die Stadt zu drehen.

Baia Sardinia, Costa Smeralda, Sardinien. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Baia Sardinia, Costa Smeralda, Sardinien. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Luxus, Promis, Megajachten und Nobelschlitten in Porto Cervo

Letzter Stopp während unserer Bus-Rundfahrt entlang der Costa Smeralda ist der Hauptort des Jetsets, Porto Cervo. Hier reihen sich in den Sommermonaten die großen Luxusjachten im Hafen aneinander, hier sind alle namhaften Luxus-Modelabels mit Filialen vertreten, hier fahren die Millionäre ihre neuesten Spielzeuge durch die blank geputzten Straßen, vorbei an sündhaft teuren Restaurants und Hotels. In den letzten Jahren wurde das Postkarten-Sardinien umfangreich umgestaltet und aufgepeppt für die Generation „Baby-Jetsetter“. So gibt es ein neues Einkaufszentrum für Luxusartikel, unterirdische Parkgaragen und einen umgestalteten Cervo Tennis Club. Insgesamt reicht unsere frei verfügbare Zeit in Porto Cervo ebenfalls völlig aus, um einen ausgedehnten Rundgang entlang der Einkaufsstraße und des berühmten Jachthafens zu unternehmen.

Porto Cervo, Costa Smeralda, Sardinien. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Porto Cervo, Costa Smeralda, Sardinien. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Der Ausflug endet schließlich wieder am Hafen in Olbia, wo die Ocean Majesty bereits auf uns wartet. Pünktlich um 16:00 Uhr nimmt sie Kurs auf die Amalfiküste. Das Fazit des Ausflugs auf Sardinien fällt positiv aus, denn in allen Orten war das Zeitfenster für individuelle Erkundungen durchaus ausreichend bemessen.

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Tag 3: 10. Oktober 2017 Sorrent, Amalfiküste, Italien

Wenn bei Capri die rote Sonne aus dem Meer emporsteigt

Die Dämmerung setzt gerade ein, als schemenhaft der mächtige Vesuv am Horizont zu erkennen ist. Es besteht kein Zweifel, wir haben den Golf von Neapel erreicht. Die Insel Capri ist eben noch auf der Steuerbordseite zu sehen, da kommt der Ankerplatz vor dem kleinen Hafen in Sorrent in Sichtweite. Wenig später poltert der dicke Stahlkoloss auch schon in Richtung Meeresboden. Eigentlich versinkt die Sonne im deutschen Schlager der „Capri-Fischer“, welcher Anfang der 1950er Jahre zum Welterfolg wurde, bei Capri im Meer – bei uns steigt sie heute nicht minder dramatisch aus selbigem empor. Viel besser kann ein Tag nicht beginnen.

Morgendämmerung an der Amalfiküste bei Sorrent. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Morgendämmerung an der Amalfiküste bei Sorrent. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Mit dem Mietwagen unterwegs

Unmittelbar nach der Ankunft schippern wir mit dem Tenderboot zur kleinen Anlegestelle im Hafen von Sorrent. Bis zur Abholung unseres für heute bestellten Mietwagens bleibt noch etwas Zeit für einen kurzen Besuch in einem gemütlichen Café, direkt am Hafen.

Unser letzter Besuch an der Amalfiküste liegt rund 15 Jahre zurück, wir sind gespannt was sich im Laufe der Jahre verändert hat.

Schon Pablo Picasso und Frank Sinatra waren begeistert

Seit vielen Jahrzehnten zählt die Amalfiküste zu den schönsten Küstenregionen der Welt. Die Landschaft ist märchenhaft, könnte direkt aus der Feder eines berühmten Malers entsprungen sein. Ein leichter Duft reifer Zitronen liegt in der Luft. Wir starten direkt in Sorrent und fahren entlang der Serpentinenstraße SS163  zunächst in südlicher Richtung, um zur Südküste der Halbinsel von Sorrent zu gelangen. Dort erstreckt sich die Amalfiküste, welche im Jahr 1997 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Die Strada Statale (SS163) zieht sich entlang der gesamten Küste und ist besser bekannt als Amalfitana. Zu den schönsten Orten entlang der Amalfitana gehören Amalfi, Maiori, Minori und Positano aufgrund ihrer Lage direkt am Meer. Die Häuser klammern sich hier wie Schwalbennester an die Klippen. Die Amalfiküste zog schon Persönlichkeiten wie Bill Gates, Pablo Picasso, Paul Newman, Frank Sinatra und George Clooney in ihren Bann.

Die Haupteinnahmequelle der Region sind der Tourismus sowie der Anbau von Zitronen, aus denen der berühmte Limoncello hergestellt wird. Der schmeckt gekühlt übrigens sündhaft lecker.

Das Problem mit den Touristenmassen

Die knapp 50km lange, 100m über dem Meer gelegene, kampanische Küstenstraße bietet nahezu ununterbrochen spektakuläre Ausblicke. Staunen ohne Ende ist hier zumindest in der Theorie garantiert. Die im Jahr 1850 eingeweihte Küstenstraße ist nämlich den heutigen Touristenmassen, insbesondere den kaum zu beziffernden Reisebussen, nicht gewachsen. Obwohl die Hauptsaison bereits vorbei ist, schieben sich endlose Schlangen an Reisebussen durch die engen Kurven und behindern permanent, aufgrund von zeitraubenden Fahrmanövern, den Verkehrsfluss. Für die 15 Kilometer von Sorrent bis nach Positano benötigen wir nicht weniger als 2 Stunden. Hinzu kommen zumindest in der Theorie einige Stopps unterwegs, die aufgrund völlig überfüllter Parkbuchten und Parkplätze nahezu komplett ausfallen. Wie man uns mitteilt, ist die Amalfitana auf diesem Küstenabschnitt für Busse über 11m Länge gesperrt und auch nur in einer Richtung zu befahren. Das ist zwar löblich, entspannt die Lage aber irgendwie nicht erkennbar. Auch mit unserem kleinen Mietwagen haben wir unterwegs kaum eine Chance zu halten. Ganz nach dem Motto „Augen zu und durch“ erkämpfen wir uns dennoch an einigen Aussichtspunkten einen Platz und versuchen die atemberaubende Landschaft zu genießen. Zum Beispiel kurz hinter Positano.  Es bleibt jedoch bei den Versuchen, denn kaum lassen wir unseren Blick entlang der bunten Häuser, über die Klippen und das türkisblaue Wasser schweifen, werden wir schon wieder vom wilden Hupen eines Busfahrers mit Deutschem Kennzeichen aus den Gedanken gerissen. Offenbar ist er mit den Straßenverhältnissen überfordert, denn italienische Busse passierten selbige Stelle vorher ohne Probleme.

Amalfiküste bei Amalfi, Italien. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Amalfiküste bei Amalfi, Italien. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Rundgang durch Amalfi

Nach weiteren 12 Kilometern und 2 Stunden Fahrtzeit erreichen wir einen der schönsten Orte an der Amalfiküste, die im 4. Jahrhundert von den Römern gegründete Stadt Amalfi. Die Stadt erlebte ihre Glanzzeit im 10. und 11. Jahrhundert, war zudem die älteste Seerepublik Italiens. In Amalfi leben heute rund 5.000 Einwohner, die auf einem relativ kleinen Stadtgebiet von 3km² wohnen. Die historischen Hotels liegen meist in sensationeller Lage, direkt unterhalb der Küstenstraße auf den Felsen. Sie sind nur durch eine kleine Einfahrt oder ein Tor zu erreichen. Erwartungsgemäß ist der Parkplatz rund um die Piazza Flavio Gioia hoffnungslos überfüllt. Die Polizei regelt den Verkehr und versucht dadurch einen völligen Verkehrskollaps zu verhindern. Es empfiehlt sich, das Parkhaus Luna Rossa am Ortsausgang in Richtung Minori zu nutzen. Die Parkgebühren liegen bei 3,- EUR pro Stunden, dafür bleibt einem die zeitraubende Parkplatzsuche erspart.

Besonders sehenswert ist der Dom von Amalfi, der zu den schönsten Basiliken der Amalfiküste zählt. Über eine riesige Freitreppe mit 62 Stufen gelangt man zum 937 erbauten Dom St. Andrea von Amalfi mit Kreuzgang und Museum. Die Fassade ist mit wunderschönen Mosaiken und Gold verziert. Neben einem Dombesuch lohnt ein Rundgang durch die kleinen Straßen von Amalfi, die von der Haupt-Einkaufsstraße Via Lorenzo abzweigen.

Unser Vorhaben, die Küstenstraße weiter entlang in Richtung Minori und Maiori bis nach Salerno zu fahren, ändern wir nicht zuletzt aufgrund des immensen Verkehrs, sondern auch aufgrund aufziehender, dicker Wolkenfelder. Letztere trüben die Sicht entlang der Küste mehr und mehr, was einer weiteren Panoramafahrt den Reiz nimmt. Stattdessen besuchen wir eine der zahlreichen Restaurants in Amalfi und schauen dem regen Treiben in der Stadt zu.

In den Straßen von Amalfi. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
In den Straßen von Amalfi. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Nach beendetem Rundgang fahren wir auf direktem Weg zurück in Richtung Sorrent. Die Rückfahrt gestaltet sich dann aber deutlich entspannter, denn die meisten Reisebusse sind inzwischen verschwunden und auch die Parkplätze leeren sich zusehends. Ob das nun an der Tageszeit oder dem grauen Himmel liegt, lässt sich schwer sagen.

Wo ist der ursprüngliche Reiz geblieben?

Unsere Fahrt entlang einer der schönsten Küstenstraßen in Europa, der Amalfitana, wird insgesamt in positiver Erinnerung bleiben. Der Tourismus hat in den letzten Jahren jedoch extrem zugenommen, was unserer Begeisterung einen kleinen Dämpfer verpasst. So überfüllt und verstopft haben wir die Küste nicht in Erinnerung, obwohl wir damals zur Hochsaison vor Ort waren. Auffällig ist außerdem die marode Bausubstanz in allen Orten, die wir besucht haben. Überall bröckelt der Putz, an vielen Stellen platzt die Farbe ab und in Sachen Sauberkeit besteht ebenfalls Bedarf zum Handeln. Ein morbider Charme zieht entlang der Küstenorte, könnte man sagen. Trotzdem, die Amalfiküste ist weiterhin einmalig schön und auf jeden Fall einen Besuch wert. Aber wo ist der ursprüngliche Reiz geblieben, den diese Küstenregion vor einigen Jahren noch versprüht hat?

Ein Bisschen Limoncello und Sophia Loren zum Abschied

Bei einem eisgekühlten Limoncello unter  der wärmenden Abendsonne von Sorrent, den Blick auf das Meer hinaus gerichtet, verfallen wir dann doch für einen Moment dem Zauber, den dieses Fleckchen Erde bis heute wie ein Mythos umhüllt. In einer Bar hängt, leicht angestaubt, ein Portrait von Sophia Loren. Den Vergleich zwischen der weltbekannten Filmdiva und der Amalfiküste wagen wir nicht, beide haben ihre besten Jahre aber sicherlich hinter sich. Das Portrait hat jedenfalls auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel und leicht an Farbe verloren. Wenigstens den Staub hätte mal jemand vom Passepartout der Filmdiva wegpusten können.

Das letzte Tenderboot bringt uns unmittelbar vor Sonnenuntergang wieder zurück zur Ocean Majesty, die goldgelb glitzernd im Golf von Neapel, vor der Küste von Sorrent ankert. Im Hintergrund ragt majestätisch der Vesuv in den Abendhimmel hinein. Ein toller Anblick!

146 Seemeilen liegen bis zur Insel Lipari vor uns.

MS Ocean Majesty auf Reede vor Sorrent im Sonnenuntergang. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Ocean Majesty auf Reede vor Sorrent im Sonnenuntergang. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
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Tag 4: 11. Oktober 2017 Lipari, Liparische Inseln

Die Decks der Ocean Majesty sind noch nass, auf dem Lack der Holzreling perlt das Wasser in kleinen Tropfen herunter und einmal mehr auf dieser Kreuzfahrt steigt glutrot die Sonne am Horizont empor. Mit nur drei Knoten Fahrt treibt der Bug der Ocean Majesty gemächlich auf den kleinen Fischerhafen von Lipari zu. Der Lotse ist bereits an Bord, das Lotsenboot markiert unweit des Hafens die uns zugewiesene Ankerposition. Näher an der Stadt kann man nicht ankern, der Hafen ist nur einen Steinwurf weit entfernt. Wir haben das Glück, vor dem Fischerhafen ankern zu können und nicht im benachbarten, deutlich weniger attraktiven Fährhafen, in dem wir prinzipiell sogar anlegen könnten.

MS Ocean Majesty mit Blick auf Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Ocean Majesty mit Blick auf Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Auf individueller Basis erkunden wir heute das Stadtgebiet von Lipari, die San Bartolomeo Kathedrale, den 60m hohen Burgfelsen samt Burg und das Archäologische Museum in der Festungsanlage.

Die Insel Lipari und die Liparischen Inseln

Die Insel gehört, wie auch die Nachbarinseln Stromboli, Salina, Alicudi, Vulcano, Filicudi und Panarea zu den Liparischen Inseln, die auch Äolische Inseln genannt werden. Die gesamte Inselgruppe, die sich auf einer Gesamtfläche von 115,4 km² erstreckt, wurde im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und ist vulkanischen Ursprungs. Die Liparischen Inseln liegen in einer Entfernung von 30-80 Kilometer vor der Nordküste Siziliens im Tyrrhenischen Meer und gehören zu einer Kette an Vulkanen, die sich vom Vesuv bis zum Ätna erstreckt. Der Stromboli auf der gleichnamigen Nachbarinsel ist der einzig ständig aktive Vulkan in Europa. Wir kommen später auf ihn zurück.

Nachdem unser Tenderboot zwischen Fischerbooten festgemacht hat, zieht es uns direkt in südliche Richtung zum Punta die Capistello. Die Aussicht von dort in Richtung des Hauptortes Lipari soll wunderbar sein.

Gemütlich schlendern wir die ruhige Küstenstraße entlang und folgen zunächst einer Einladung in das Hotel Carasco, von dem aus sich ebenfalls ein sensationeller Blick auf Lipari eröffnet.

MS Ocean Majesty auf Reede vor Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Ocean Majesty auf Reede vor Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Wie gerne würden wir jetzt in den großen, einladenden Pool des Hotels springen. Die Zeit drängt jedoch zum Aufbruch. Nach weiteren 30 Gehminuten entlang der zerklüfteten Küste werden wir mit einem wunderbaren Panoramablick über die Bucht Marina Corta, die Stadt Lipari und das Castello belohnt.

Panoramablick über Lipari und Castello. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Panoramablick über Lipari und Castello. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Die Altstadt von Lipari

Nicht weniger sehenswert ist die historische Altstadt von Lipari, die sich zu Füßen des mächtigen Burgbergs, unterhalb der Kathedrale befindet. Der 60m hohe Burgberg trennt die Stadt in zwei Hälften. In der nördlichen Hälfte, der Marina Lunga, befindet sich der Fährhafen, von dem aus regelmäßig kleinere Fähren zu den Nachbarinseln und in Richtung Festland fahren. Im südlichen Teil, der Marina Corta, liegen der eigentliche Stadtkern und das weit verzweigte Gassengewirr, welches an eine labyrinthische Kasbah erinnert. Direkt am Hafen erkunden wir eine große Piazza, um die herum sich wunderschöne Restaurants und Bars reihen. Trotz einer recht großen Anzahl an Boutiquen und Souvenirgeschäften hat die Stadt aus unserer Sicht kaum etwas von ihrer Ursprünglichkeit verloren. Die Einheimischen mögen das sicherlich anders sehen. Für uns sind die zahlreichen, bunten Fischerboote, eine kleine Kirche, die liebevoll gepflegten Häuser und die vielen Blumenkübel vor den Eingängen, ein wahrer Augenschmaus. Im Vergleich zur Amalfiküste ist die Bausubstanz in Lipari in einem deutlich besseren Zustand. Nirgendwo platzt der Putz weg und unbedingt sollte man die detailreichen Verzierungen an den Fassaden beachten. Die autofreie Hauptstraße, welche auch die beiden Buchten miteinander verbindet, ist der Corso Vittorio Emanuele. Besonders angenehm ist, dass sich keine Touristenströme durch die Straßen schieben.

Altstadt Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Altstadt Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Der Burgberg

In der Festung auf dem Burgberg befindet sich das Archäologische Museum der Äolischen Inseln, das Museo Archeologico Eoliano. Es ist bekannt für seine Sammlung prähistorischer Keramiken, die sich auf etwa 40 Säle im ehemaligen Bischofspalast verteilen. Das Museum wurde im Jahr 1954 gegründet, die Ursprünge der Festungsanlage gehen auf das 16. Jahrhundert zurück.

Die Kathedrale San Bartolomeo ist dem Schutzpatron der Liparischen Inseln und der Stadt Lipari geweiht, dem Apostel Bartolomäus. Bereits im Jahr 1084 stand an selbiger Stelle ein Dom, der heutige Bau im Barockstil wurde zum Großteil im Jahr 1654 errichtet. Der Glockenturm und der untere Teil der Fassade stammen aus dem 18. Jahrhundert, der obere Teil ist 1861 nach einem Einsturz neu aufgebaut worden.

Kathedrale San Bartolomeo Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Kathedrale San Bartolomeo Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Der Burgberg wurde bereits in der Steinzeit besiedelt. Heute hat man von verschiedenen Stellen im archäologischen Park sowie vom Antiken Theater aus, einen wunderbaren Blick über den kleinen Hafen Marina Corta. Da die Bauten auf dem Berg in der Vergangenheit nicht immer zerstört, sondern von Vulkanasche und Gestein begraben wurden, sind bei diversen Grabungen unzählige, historische Schätze entdeckt worden. Die Burganlage sowie auch ein Friedhof können komplett durchlaufen werden, was auf keiner „To-do-Liste“ fehlen sollte. Etwas versteckt liegt ein Zugang zur nördlichen Burgmauer, der die Bucht Marina Lunga zu Füßen liegt. Der Ausblick ist auch in diese Richtung herrlich.

Blick vom Castello in nördliche Richtung auf Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Blick vom Castello in nördliche Richtung auf Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Faszinierende Atmosphäre am Abend

Kurz bevor uns das letzte Tenderboot wieder zurück zu Ocean Majesty bringt, genießen wir die einzigartige Abendstimmung in der Stadt, eine ganz besondere Atmosphäre erleben wir im Fischerhafen, der von einer faszinierenden Ruhe umgeben ist. Die wenigen Tagestouristen sind bereits auf die Nachbarinseln zurück gefahren, man ist nun wieder unter sich. Wie aus einer Filmkulisse entsprungen, liegt die kleine Kirche Anime del Purgatorio an der Hafenmole und wird von den letzten Sonnenstrahlen in wunderschöne Pastellfarben getüncht. Wie eine kleine, weiße Jacht fügt sich die vor Anker liegende Ocean Majesty in diese malerische Szenerie ein.

Lipari ist eine wirklich zauberhaft schöne Stadt!

MS Ocean Majesty abends vor Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Ocean Majesty abends vor Lipari. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Glutrote Lavabrocken fliegen durch den Nachthimmel

Der heutige Tag steckte bereits voller spannender Erlebnisse und landschaftlicher Höhepunkte, doch ein absolutes Highlight steht noch bevor – die Umrundung vom Vulkan Stromboli. Die Sonne ist inzwischen längst untergegangen und vom Stromboli ist dementsprechend zunächst nicht mehr viel zu sehen. Von Lipari aus haben wir den qualmenden Feuerberg bereits recht gut im Blick gehabt. Der Stromboli zählt zu den Strato- bzw. Schichtvulkanen und ist der aktivste Vulkan Europas. Oft wird der benachbarte, deutlich höhere Ätna (3350m) auf Sizilien als aktivster Vulkan genannt, dieser bricht allerdings längst nicht so häufig aus wie der nur ca. 930m hohe Stromboli. Auf der Insel leben etwas mehr als 500 Menschen, die sich nicht in unmittelbarer Gefahr befinden, da die Aktivität zwar durchgehend aber auf geringem Niveau erfolgt. Obwohl der Stromboli praktisch durchgehend aktiv ist, lassen sich spektakuläre Eruptionen in Form von roten Lavafontänen nicht immer und auch nicht von allen Seiten des Vulkans beobachten. Das dabei ausgeworfene Material fällt meist in den Krater zurück oder rollt über die Sciara del Fuoco, die „Feuerrutsche“ ins Meer. Wir haben Glück und nach knapp einer Stunde Wartezeit schießt eine Lavafontäne über den Kraterrand hinaus. Glutrote Gesteinsbrocken werden bei dieser Eruption in den Nachthimmel über dem Stromboli geschleudert. Was für ein Erlebnis und was für ein Finale zum Ende des Tages!

Eruption am Stromboli Vulkan. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Eruption am Stromboli Vulkan. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
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Tag 5: 12. Oktober 2017 ein Tag auf See

Nach all den bisherigen, kulturellen und landschaftlichen Höhepunkten steht heute ein ruhiger Tag ins Haus bzw. ins Schiff, denn die Ocean Majesty umrundet „den Stiefel“, also die Südspitze von Italien und macht sich durch die Straße von Messina auf in Richtung Albanien. 435 Seemeilen sind zu bewältigen. Die See ist völlig ruhig. Um 11:00 Uhr füllt sich der Lido Garten. Auf dem Programm steht der auf Kreuzfahrtschiffen beliebte und bekannte, maritime Frühschoppen mit Freibier und jede Menge guter Stimmung.

Frühschoppen an Bord der Ocean Majesty. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Frühschoppen an Bord der Ocean Majesty. / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
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Fortsetzung in Reisebericht Teil 2: Von der albanischen UNESCO-Stadt Berat über das pittoreske Korcula, die wunderschöne Stadt Kotor, die pulsierende Stadt Split bis ins romantische Venedig (in Kürze!)

Oliver Asmussen

Oliver Asmussen

Oliver Asmussen, 1976 in Hamburg geboren und dort aufgewachsen, entdeckte seine Vorliebe zur maritimen Kreuzfahrt und Fotowelt bereits in der Jugend. Seit mehreren Jahren sind seine Bilder beliebte Motive in verschiedenen Medien. Darüber hinaus betreibt er die größte Kreuzfahrt-Bilderseite www.oceanliner-pictures.com und verbringt viele Tage im Jahr auf unterschiedlichen Kreuzfahrtschiffen.
Oliver Asmussen