In 42 Tagen von der Prinsendam zur Amera

MS Prinsendam, Werftzeit und MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Prinsendam, Werftzeit und MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Ein großer vorher/nachher Vergleich dieses 40 Millionen-Projektes in einem besonderen Amera Schiffsportrait.

40 Millionen Euro sind in das Projekt des 42-Tage-Umbaus von der MS Prinsendam zur Amera geflossen. Hier gibt es den großen Vorher/Nachher Vergleich in einem außergewöhnlichen Schiffsportrait.

In 42 Tagen zum neuen Kreuzfahrt-Schmuckstück

Am 01. Juli endete die letzte Kreuzfahrt der Prinsendam für Holland America Line und der Kreuzfahrtklassiker nahm Kurs auf Hamburg. Dort traf die 204m lange und rund 39.051 BRZ große „Elegant Explorer“, wie sie bei den bisher meist amerikanischen Reisegästen liebevoll genannt wurde, am 02. Juli ein. Das maximal 835 Passagieren Platz bietende Kreuzfahrtschiff verholte direkt in das Dock 11 der Traditionswerft Blohm+Voss. In den folgenden 42 Tagen wurde das, 1988 als ultraluxuriöse Royal Viking Sun gebaute Kreuzfahrtschiff, nahezu in allen Bereichen der 9 Passagierdecks renoviert und in ein neues Kreuzfahrt-Schmuckstück verwandelt. Auch hinter den Kulissen, so zum Beispiel in der Wäscherei, der Küche und der Kommandobrücke zog neue Technik ein.

Endlich in der Flotte von Phoenix Reisen

Schon vor vielen Jahren liebäugelte man im Hause Phoenix Reisen mit dem Gedanken, dass dieses einzigartige Kreuzfahrtschiff, von dem es kein Schwesterschiff gibt, einmal zur Phoenix Reisen-Flotte gehören würde. Bei Holland America Line dachte man jedoch überhaupt nicht daran, sich von diesem sehr beliebten und für weltweite Kreuzfahrten eingesetzten Schiff zu trennen. Dann endlich stimmten die „Rahmenbedingungen“ und der Deal für den Wechsel von Holland America Line zu Phoenix Reisen war „in trockenen Tüchern“. Die Prinsendam passt geradezu perfekt in die Flotte von Phoenix Reisen, denn sie weist die ideale Größe auf, verfügt über viele Balkonkabinen, großzügige Freidecks und weitläufige, öffentliche Bereiche.

Schiffsrundgang vor, während und nach der Werftzeit

Ich habe das Bildmaterial aus der Zeit als MS Prinsendam mit dem der Werftzeit und der anschließenden Fertigstellung aller Renovierungen als interessante Collagen zusammengefügt.

Bild 01 zeigt die Amera nach ihrem Werftaufenthalt zum ersten Mal auf der Elbe mit Kurs in Richtung Bremerhaven sowie auch die dunkle Farbgebung während ihrer Zeit als Prinsendam. Gut zu erkennen sind auf diesem Bild die großzügigen Außenbereiche im Vorschiffbereich der Amera. Insgesamt gibt es drei solcher Aussichtsterrassen mit freiem Blick auf den Bug und das Meer. Nur noch sehr wenige Kreuzfahrtschiffe verfügen über solche Freiflächen im Bugbereich. Die Artania, die ebenfalls unter Phoenix-Flagge fährt, zählt auch zu diesen außergewöhnlichen Kreuzfahrtschiffen. Nennenswerte Veränderungen gibt es hier keine. Auf neueren Kreuzfahrtschiffen sind in diesen Vorschiffbereichen meist hochpreisige Kabinen und Suiten verbaut. Auf der Amera genießen alle Reisegäste den Blick in Fahrtrichtung völlig kostenfrei.

Bild 02 Blick auf Schornstein und Shuffleboard MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 02 Blick auf Schornstein und Shuffleboard MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Bild 02 zeigt einen Außendeckbereich am Schornstein. Aufgrund der klassischen Bauweise des Schiffes und der damaligen Platzierung im oberen Luxussegment, verfügt die Amera im Vergleich zu den meisten Neubauten auf dem Markt, über außergewöhnlich viele Deckflächen, auf denen man ungestört verweilen kann. Auf diesem Deck wurden bis zuletzt noch Feinarbeiten am Bodenbelag erledigt, was auf dem großen Foto auch erkennbar ist. An der Steuerbordseite ist ein Minigolffeld und an der Backbordseite ein Shuffleboard-Feld platziert.

Bild 03 Sonnen-Deck MS Amera am 25.08.2019 / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 03 Sonnen-Deck MS Amera am 25.08.2019 / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Zu den großzügigen Freiflächen zählt das obere Sonnendeck auf Bild 03, unterhalb des Signalmastes. Von hier aus bietet sich ein freier Blick über den Bug und die Ozeane dieser Welt. Keine meterhohen Glaswände, die leider nicht nur vor Wind schützen, sondern auch die Sicht nehmen, umrahmen das oberste Deck. Auf diesem Deck wird in Kürze noch der von anderen Phoenix-Schiffen bekannte, türkisfarbene Kunstrasenteppich verlegt. Die Strandkörbe (auf dem Bild noch nicht aufgestellt) laden zum Träumen und Verweilen ein.

Bild 04 Blick vom Sonnendeck auf Schöne Aussicht MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 04 Blick vom Sonnendeck auf Schöne Aussicht MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Ein weiteres Highlight ist der Blick vom Sonnendeck auf die neu gestaltete Schöne Aussicht, sowie die obere Galerie mit ihren Liegestühlen. Reling, Bodenbelag und Treppen sind, wie in allen Außenbereichen, komplett überarbeitet oder ersetzt worden. Dort wo dies noch nicht geschehen ist, wird es in Kürze erfolgen. Der frühere, nicht sehr großzügig gestaltete, Lido Pool ist komplett verschwunden. Neu entstanden ist eine Art Eventfläche, die multifunktional genutzt werden kann. Eine große Leinwand sowie moderne Bühnentechnik runden das Unterhaltungsangebot im Bereich der Schönen Aussicht ab. Neu installiert wurde ein Sonnenschutz an den seitlichen Bereichen der Schönen Aussicht.

Bild 05 Crows Nest wird Panorama-Lounge MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 05 Crows Nest wird Panorama-Lounge MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Bild 05 zeigt das ehemalige Crow´s Nest, eine Lounge samt integrierter Bar, die auf der Amera, als Panorama-Lounge, weiterhin in gleicher Form existiert. Solche Schiffslounges erfreuten sich in der Vergangenheit einer immer geringeren Beliebtheit bei den Kreuzfahrtgästen. Daher wurden sie auf neueren Schiffen, wie die Freidecks im Vorschiffbereich, durch lukrative Suiten oder exklusive Lounges für die Bewohner gewinnbringender Kabinenkategorien, wegrationalisiert. Ein alteratives Ziel der Mitbewerber ist es, die Lounges attraktiver zu gestalten, um die Gäste wieder in diesen Schiffbereich zu locken. Bei Phoenix Reisen dürfte man sich eher wenig Sorgen um eine zu schlechte Nutzung der Panorama-Lounge machen. Liebhaber der klassischen Phoenix-Schiffe wissen solche Schiffsbereiche zu schätzen.

Bild 06 Blick auf die neue Schöne Aussicht MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 06 Blick auf die neue Schöne Aussicht MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Bild 06 zeigt noch einmal den neu gestalteten Bereich Schöne Aussicht mit Blick in Richtung Heck. Nicht nur der unmittelbare, ehemalige Poolbereich wurde umgestaltet, auch die Aufteilung der Sitzmöglichkeiten unterhalb der Galerie ist verändert und optimiert worden. Es entstanden mehr Außensitzplätze, die bei Deutschen Reisegästen beliebter sind als bei den amerikanischen. Abgerundet wird das Angebot im Bereich Schöne Aussicht durch eine gut bestückte Bar sowie eine Grillecke. Hier werden wetterabhängig zum Beispiel Hähnchen, Pizza, Würstchen und andere Dinge frisch vom Grill serviert.

Bild 07 Lido Market wird Lido Buffet Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 07 Lido Market wird Lido Buffet Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Seinen Platz behalten hat das Lido Market Restaurant, welches nun an Bord der Amera Lido Buffet-Restaurant heißt. Vom bereits angestaubten Charme aus den Zeiten bei Holland America Line ist nichts mehr zu sehen. Das Restaurant wurde komplett renoviert, die technischen Geräte durch neue ersetzt. An der Grundgestaltung ist nichts verändert worden, denn sie war bereits nahezu perfekt. Das Lido Buffetrestaurant erstreckt sich über die gesamte Schiffsbreite, wodurch ein toller Meerblick von fast allen Plätzen aus ermöglicht wird. Die Küche befindet sich in der Mitte des Restaurants.

Bild 08 aus Canaletto wird Lido-Wintergarten Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 08 aus Canaletto wird Lido-Wintergarten Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Direkt hinter dem Lido Buffet-Restaurant liegt unverändert der Wintergarten. Dieser wurde aber komplett neu gestaltet. Das auf der Prinsendam in den Wintergarden integrierte Canaletto Spezialitätenrestaurant gibt es nicht mehr. Der gewonnene Platz wird als zusätzliche Fläche für den Wintergarten genutzt.  Insgesamt wirkt alles nun deutlich heller und luftiger als zuvor. Der echte, hochwertig anmutende Teakholzboden wurde komplett aufgearbeitet und blieb erhalten. Die gesamte Fensterfront des Wintergartens ist erneuert worden. Die Fensterelemente sind nun nicht mehr verschiebbar.  

Bild 09 Amera Pool und Terrasse am Heck / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 09 Amera Pool und Terrasse am Heck / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Aus dem Wintergarten heraus führt eine Treppe zwei Decks tiefer auf die Amera Terrasse bzw. zum Amera Pool. Dieser Pool existierte nebst zwei flankierenden Whirlpools und einer Bar bereits als Sea View Pool & Bar auf der Prinsendam. Er wurde jedoch komplett renoviert und um eine Wasserfontäne ergänzt. Das den Pool umgebende, aus meiner Sicht völlig sinnlos angebrachte Geländer, wurde entfernt. Der hochwertige Teakholzboden blieb auch in diesem Schiffsbereich erhalten und ist aufgearbeitet worden. Bild 09 zeigt diesen offenen Deckbereich, wie er heute auf Kreuzfahrtschiff-Neubauten nicht mehr zu finden ist. Alle Deckbereiche bieten ausreichend Sonnen- und Schattenplätze.

Bild 10 Spa Eingang Prinsendam und Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 10 Spa Eingang Prinsendam und Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Auf Bild 10 ist der Eingangsbereich zur Saunalandschaft zu sehen. Sowohl die Behandlungsräume als auch die Umkleidebereiche und der Beautysalon sind umfangreich renoviert worden. Einzig das gut ausgestattete Fitness Center blieb von Erneuerungsmaßnahmen unberührt. Es ist so platziert, dass man während der Sporteinheiten durch große Fenster zum Heck hinausschauen kann.

Bild 11 Explorers Lounge wird Piano Salon Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 11 Explorers Lounge wird Piano Salon Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Für gemütliche und gesellige Stunden stand an Bord der Prinsendam, die gediegen eingerichtete Explorer´s Lounge zur Verfügung, für die Gäste einer der vielen Treffpunkte. Auf der Amera hat sich diese Lounge in den Piano Salon verwandelt. Auch hier blieb bei der Renovierung keine Schraube an ihrem bisherigen Ort. Das Ambiente im Piano Salon ist zeitgemäß, gemütlich und modern. Es harmonieren warme Grau- und Erdtöne. Als sehr gemütlich erweisen sich die großen Cocktailsessel. Jalousien im Holzdesign sorgen für einen angenehmen Lichteinfall, durch die großen Panoramafenster. Durchdacht angebrachte Lichtquellen unterstreichen den hervorragenden Gesamteindruck.

Das Casino auf der Backbordseite gibt es auf der Amera nicht mehr. Es entstand hier aber keine neue Location für die öffentliche Nutzung sondern Platz für 10 weitere Aussenkabinen mit Sichtbehinderung. Die Anzahl der Kabinen hat sich dennoch nicht erhöht, da eine entsprechende Anzahl an Innenkabinen auf dem Saturn-Deck weggefallen ist.

Bibliothek und Internetbereich sind weitgehend in ihrer Gestaltung unverändert geblieben. Die Computer und Bildschirme wurden auf einen aktuellen Stand gebracht. Auch die angrenzenden Boutiquen und Shops haben ihren jeweiligen Platz behalten. Die Lobby bzw. das Atrium entstanden zu einer Zeit, als große, offene Schiffsbereiche noch kein Standard waren. Aus heutiger Sicht zeigt sich das Atrium, in dessen Mitte bisher eine kunstvoll verzierte Glassäule installiert war, immer noch einladend, offen und groß. Die Lobby wirkt nun heller und freundlicher als zuvor, wie Bild 12 anschaulich zeigt. Die nicht mehr zeitgemäß aussehende Glassäule ist ersatzlos entfernt worden.

Bild 12 Lobby Prinsendam und Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 12 Lobby Prinsendam und Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Die Atlantik Show Lounge erhielt einen neuen Teppich sowie neu gepolstertes Mobiliar. Sie diente während der Werftzeit in erster Linie als Lagerraum. Die Technik befindet sich auf einem aktuellen Stand und somit dürfen sich die Gäste allabendlich auf ein abwechslungsreiches Showprogramm freuen. Abstellmöglichkeiten für Cocktails sind in Form kleiner Tische vorhanden.

Bild 13 Fotogalerie Prinsendam und Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 13 Fotogalerie Prinsendam und Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Der Foto- und Videoshop zeigt sich auf den ersten Blick ohne auffallende Veränderungen, wenn man mal vom technischen Equipment und dem Teppich absieht. Neu installiert wurden große Bildschirme, auf denen unterschiedliches Bildmaterial gezeigt wird. Die Bilder werden nun nicht mehr auf traditionellen, veralteten Fotowänden in Papierform angeboten, sondern auf Digitaltafeln mit entsprechender Bestellmöglichkeit.

Bild 14 La Fontaine Dining Room wird Restaurant Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 14 La Fontaine Dining Room wird Restaurant Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Der bisherige La Fontaine Dining Room teilte sich in zwei Bereiche. Der kleinere Bereich war für Gäste reserviert, die eine feste Tischzeit bevorzugt haben. Der größere Teil ist Reisenden mit dem Wunsch nach einer flexiblen Tischzeit vorbehalten gewesen. Der kleinere Bereich an der Steuerbordseite wurde nun zu einem separaten Restaurant umgestaltet, dem Restaurant Amera. Farbe und Design entsprechen dem der übrigen, neu gestalteten Bereiche. Helle Grautöne harmonieren mit dezenten Beeren- und Erdtönen. Das Ambiente ist sehr einladend und gemütlich. Als auffallendste Veränderung ist eine abgebaute Wendeltreppe zu nennen, welche in die damalige Explorer´s Lounge hinaufführte.

Bild 15 La Fontaine wird Restaurant Ozean MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 15 La Fontaine wird Restaurant Ozean MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Der größere Bereich, welcher sich großzügig über das gesamte Heck erstreckt, wurde zum Ozean Restaurant. Die Vermutung liegt nahe, dass man hier das Restaurant Vier Jahreszeiten findet, wie es an Bord der anderen Phoenix-Schiffe der Fall ist. Das Restaurant hat jedoch einen komplett neuen Namen bekommen. Der bisherige La Fontaine Dining Room zeigte sich schon vor der Renovierung in einem recht modernen Design, weshalb man hier keine auffallenden Veränderungen vorgenommen hat. Das Ozean Restaurant ist hell, freundlich und elegant eingerichtet. Hier steht abendlichen Dinnerfreuden nichts im Wege, man fühlt sich wohl. Da das Mobiliar nicht ersetzt wurde, sind leichte Gebrauchsspuren erkennbar, was dem maritimen Charme keinen Abbruch tut. Tischzeiten gibt es keine mehr, die Plätze können zur Restaurant-Öffnungszeit frei gewählt werden.

Bild 16 leeres Deck wird Phoenix Lounge Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 16 leeres Deck wird Phoenix Lounge Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Vom verwaisten, trostlosen Deck zum Traumplatz

Im Zuge eines früheren Umbaus des Schiffes, schon unter der Flagge von Holland America Line, entstand am Heck ein aus meiner Sicht völlig ungenutzter Deckbereich, der nie mehr seinen ursprünglichen Zweck als weitläufiges Sonnendeck erfüllte. Man hat auf das frühere Sonnendeck ein neues Deck mit Kabinen aufgesetzt. Von diesem Zeitpunkt an war das Sonnendeck vor dem großen Restaurant überdacht. Zugleich verschlechterte sich die Sicht aus dem Restaurant heraus etwas. Das Deck blieb fortan leer und nahezu ungenutzt. Das hat sich nun nach dem Flaggenwechsel gravierend geändert, denn hier ist die Phoenix Lounge eingezogen. Der Aufwand für die Realisierung der neuen Phoenix Lounge war recht groß, denn es mussten sämtliche Kabelleitungen, Lautsprecher, Deckenverkleidungen, Bartresen und sicherheitsrelevantes Equipment neu eingebaut werden. Darüber hinaus sind Glaswände als Windschutz installiert worden. Absolutes Highlight ist die zum Fahrwasser hin neu installierte Theke, die schon auf der Artania zum absoluten Traumplatz an Bord wurde. Das Ergebnis ist auch auf der Amera absolut phantastisch! Dem verwaisten Deck wurde neues Leben eingehaucht. Aus meiner Sicht ist es schöner als je zuvor.

Wie auf der Artania kann man von der Phoenix Lounge aus, auf einer eleganten Teakpromenade, das gesamte Schiff umrunden. Auf der Promenade stehen Liegestühle bereit, die sich insbesondere für Reisende eignen, die besondere Ruhe suchen.

Bild 17 Ocean Bar wird zu Harrys Bar MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 17 Ocean Bar wird zu Harrys Bar MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Auf der Prinsendam war die Ocean Bar an der Steuerbordseite abends eine angesagte Adresse. Dort ist nun eine, von den anderen Phoenix-Hochseeschiffen bekannte und extrem beliebte, Bar eingezogen – Harry´s Bar. Vorher dominierte in der Ocean Bar ein leicht in die Jahre gekommener, britischer Landhauscharme. Harry´s Bar überzeugt dagegen nun durch helle Grundfarben und dunkle, in Bogenform um eine große Tanzfläche herum installierte, Sitzbänke. Von der alten, leicht betagt anmutenden Ocean Bar ist nichts mehr zu erkennen. Harry´s Bar wirkt zudem deutlich offener und größer.

Bild 18 Pinnacle Grill wird zu Pichlers Restaurant MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 18 Pinnacle Grill wird zu Pichlers Restaurant MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Auf der gegenüberliegenden Backbordseite lag das Spezialitäten-Restaurant Pinnacle Grill. Das elegante, schicke Ambiente blieb weitgehend unverändert, der Name ist dagegen neu. Aus dem Pinnacle Grill wurde Pichler´s Restaurant. Die Tische wurden neu angeordnet, das Interieur blieb erhalten.

Bleibt noch das Kartenspielzimmer, welches lediglich einen neuen Namen erhalten hat, vorher stand an der Eingangstür Half Moon Room.

Bild 19 Das Foyer und Rezeption der MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Bild 19 Das Foyer und Rezeption der MS Amera / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Zum Abschluss dieses herrlichen Rundgangs über die renovierten Decks der Amera werfe ich erneut einen Blick in das offene Atrium und komme zu dem Ergebnis, dass dieses Schiff schon immer ein Schmuckstück war, nun aber zu einem noch größeren geworden ist.

Kabinen der Amera

Die Kabinen der Amera wurden alle renoviert. Nicht renoviert sind die Bäder, da diese erst bei einem letzten Werftaufenthalt erneuert wurden. Die Größe der Kabinen liegt mit 14 bis 25 Quadratmetern im oberen Durchschnittsbereich bei Innen- und Außenkabinen. Ein Großteil aller Kabinen auf der Amera verfügt über einen eigenen Balkon. Die Betten sind nicht in allen Kabinenkategorien zusammenstellbar. Alle Kabinen verfügen über eine individuell regulierbare Klimaanlage, Telefon, Minibar, Safe, Fön, Schminkspiegel und SAT-TV. Es gibt nur 23 Innenkabinen an Bord. Nachgerüstet wurden in den Kabinen USB-Anschlüsse an den Bettlampen sowie an den Schreibtischen. Gerade die USB-Anschlüsse an den Bettlampen habe ich schon auf so manchem Neubau vermisst. Der Wohlfühlfaktor der Kabinen ist groß.

  • Kabinenbeispiele an Bord der Amera <<Link>>

MS Amera ist fit für eine großartige Zukunft bei Phoenix Reisen

Die MS Amera ist eine maritime Schönheit mit enormem Wohlfühlfaktor, den nicht nur Liebhaber klassischer Kreuzfahrtschiffe zu schätzen wissen werden. Ihr Baujahr 1988 und die vergangenen 31 Jahre sind dem Schiff nicht mehr anzusehen. Auch hinter den Kulissen wurden enorme Investitionen getätigt, um den schmucken Liner für mindestens die nächsten 15 Jahre bei Phoenix Reisen fit zu machen. Zu diesen Erneuerungen zählen auch das Sprinklersystem, sowie die Rauchmeldeanlagen. Die Anzahl der bisherigen Sprinkler wurde erhöht, die Leitungen komplett ausgewechselt und nach neuesten Bestimmungen optimiert. Die Amera dürfte auf dem deutschsprachigen Markt einen großen Liebhaberkreis finden, der sich in den nächsten Jahren stets erweitern wird. Mit der Amera hat nun ein weiteres maritimes Schmuckstück zu Phoenix Reisen gefunden. Der Flaggenwechsel von Holland America Line zu Phoenix Reisen wird aus meiner Sicht wohl auch der letzte in der Lebensgeschichte der ehemaligen Royal Viking Sun gewesen sein. Mit der Übernahme der Prinsendam wurde ein lang gehegter Traum im Hause Phoenix Reisen wahr. Mit der Amera können weltweite Reiserouten befahren und Häfen angelaufen werden, die den großen Kreuzfahrtschiffen verwehrt bleiben.

Rollstuhlgerecht – ja oder nein?

Aufgrund der Tatsache, dass an Bord der Prinsendam bisher überwiegend US-Passagiere reisten, ist das Schiff durchweg geeignet für Rollstuhlfahrer.  Nicht alle Deckflächen können jedoch mit einem Rollstuhl erreicht werden. Es stehen behindertengerechte Suiten und Kabinen zur Verfügung. Im Theater sind entsprechende Rampen und Stellplätze vorhanden. Die Amera ist rollstuhlgerecht aber nicht komplett barrierefrei. Rollstuhlgerechte, öffentliche Toiletten sind vorhanden.

Kritik?

Die gibt es letztendlich auf jedem, noch so luxuriösen und neuen Kreuzfahrtschiff – wenn man sie denn finden möchte. Auf der Amera könnte man die Duschvorhänge nennen, die im Vergleich zu neuen Glastüren in den Duschen nicht so zeitgemäß erscheinen mögen. Die Vorhänge sind aber von guter Qualität und absolut makellos. Die in vielen Kabinen und Suiten installierten Badewannen erfreuen sich bei Deutschen Kreuzfahrtgästen einer weniger großen Beliebtheit, aber hier wird man im Zuge kommender Renovierungen sicherlich noch Veränderungen durchführen. Gerade nach einer so umfangreichen Werftzeit darf man nicht auf alle Details schauen. Natürlich sind hier und da noch Türen zu finden, die knarren, Geländer zu finden die nicht lackiert sind, oder Treppen im Außenbereich zu entdecken, die überarbeitet werden müssen. Einige Fensterfronten am Heck haben ihre besten Jahre ebenfalls hinter sich und der eine oder andere Teppich in den Treppenhäusern wurde nicht erneuert aber im Vergleich zu dem, was verbessert und renoviert wurde, sind dies Kleinigkeiten.

Schade, dass man die Klimaanlage in den Kabinen nicht komplett abschalten kann und dass in den Bädern keine Steckdosen verfügbar sind.

Ohne Karte kein Strom

Eine Eigenheit, die mich bereits auf Neubauten „störte“, findet sich leider auch in den Kabinen der Amera wieder. Das Licht funktioniert nur, wenn man seine Kabinenkarte in einen Schlitz steckt. Zieht man diese heraus, schalten sich nicht nur das Licht sondern auch die Steckdosen aus. Wer seine Akkus also zwischendurch laden möchte und die Kabine verlässt, der sollte eine „Ersatzkarte“ in den Schlitz stecken.

Sackgasse vor zwei Restaurants

Nachgebessert werden dürfte wohl künftig auch im Bereich des Restaurant Amera und vor dem Lido-Buffet-Restaurant. Dort steht man nämlich außerhalb der Öffnungszeiten quasi in einer Sackgasse. Von der herrlich schönen Teak-Promenade kommend, durchlaufe ich die Hecktür auf der Steuerbordseite und stehe rechts vor der verschlossenen Tür des Restaurant Amera, links vor der verschlossenen Tür des Restaurant Ozean. Entweder ich begebe mich nun über die Außenpromenade zum vorderen Treppenhaus oder nutze das hintere Treppenhaus um auf das darüber liegende Salon-Deck zu laufen.

Selbiges Problem besteht vom hinteren Treppenhaus kommend, vor dem Lido-Buffet-Restaurant. Vor der Öffnung des Lido-Restaurants sind die Türen beidseitig verschlossen. Wenn ich nun zum offenen Deck „Schöne Aussichten“ laufen möchte, bleibt nur der Weg hinunter auf das Jupiter-Deck 10, um dann über das vordere Treppenhaus wieder hinauf auf Deck 11 zu gelangen. Würde die Tür auf der Backbordseite zum Beispiel durchgehend geöffnet bleiben, wäre ein direkter Durchgang zu den schönen Aussichten möglich.

  • Komplette Bildergalerie von Bord der Amera <<Link>>
Oliver Asmussen

Oliver Asmussen

Oliver Asmussen, 1976 in Hamburg geboren und dort aufgewachsen, entdeckte seine Vorliebe zur maritimen Kreuzfahrt und Fotowelt bereits in der Jugend. Seit mehreren Jahren sind seine Bilder beliebte Motive in verschiedenen Medien. Darüber hinaus betreibt er die größte Kreuzfahrt-Bilderseite www.oceanliner-pictures.com und verbringt viele Tage im Jahr auf unterschiedlichen Kreuzfahrtschiffen.
Oliver Asmussen