Mit der MS Schüppy auf Kreuzfahrt! Folge 17: Auf dem Weg nach Afrika verfahren

Schüppy
Foto: Illustration Boris Noruschat

Folge 17: Auf dem Weg nach Afrika verfahren

„Maputo kaputo“!

Gemächlich dümpelnd nähere ich mich der Küste von Afrika, meinem dritten Kontinent auf der aktuellen Weltreise. Schemenhaft kann ich am Horizont schon Land entdecken. Offiziell bin ich auf dem Weg nach Maputo, jedoch habe ich seit den Nachtstunden einen südlichen Kurs eingeschlagen, denn der Anlauf von Mosambik wurde durch die Reederei wegen anhaltender Unruhen im Land gestrichen. Stattdessen nehme ich Kurs auf den ersten südafrikanischen Hafen Richards Bay, der eigentlich erst für Morgen auf dem Programm steht. Meine Passagiere ahnen noch nichts.

Es ist 6 Uhr morgens und der Kapitän hat natürlich noch keine Durchsage gemacht. Diese ist von meiner Chefstewardess Helga für 7 Uhr angesetzt worden. Sie ist auch noch gar nicht auf der Brücke, sondern wie ich sehe, steht sie unter der Dusche und trällert ein Lied. Auf weitere Einzelheiten möchte ich gern verzichten, denn ich bin ja ein verschwiegenes Kreuzfahrtschiff.

Um 6 Uhr 30 klopft es plötzlich an der Tür der Brücke. Mein Kapitän nickt seiner Ersten Offizierin Cornelia zu und diese öffnet langsam die Tür. An ihr vorbei rauscht der inzwischen schon bekannte Suppenfabrikant Arno: „Kapitän“, ruft er und schnauft mächtig, „sie fahren seit Stunden in die falsche Richtung. Maputo liegt im Norden, wir schüppern aber gen Süden.“ Dazu fuchtelt er wild mit seinem Smartphone vor der Nase des Kapitäns herum. Ich persönlich finde es sehr cool, dass er „schüppern“ gesagt hat, doch das steht anscheinend momentan nicht zur Debatte.

Der Kapitän lässt sich das Telefon zeigen, auf dem Arno eine App aufgerufen hat, die den aktuellen Routenverlauf zeigt. Er verzieht keine Miene, dafür bewundere ich ihn. Galant lädt er Arno ein, Platz zu nehmen. „Sie sind ja ein richtiger Nautiker während dieser Weltreise geworden, lieber Arno“, lobt der Kapitän brav. Nun strahlt der dicke Mann, der schwitzt wie nach einem Marathonlauf. Galant reicht der Kapitän ihm ein Taschentuch und Cornelia serviert ungefragt ein Glas Wasser, das Arno in einem Zug leert.

„Es ist richtig, wir können aufgrund hoher Wellen nicht in den Hafen von Maputo einlaufen und sind daher auf dem Weg nach Richards Bay. Sie sind der Erste, der das bemerkt hat und daher lade ich ihre Gattin und Sie heute nach dem Abendessen zu einem guten Whisky in meine Kapitänskabine ein.“ „Das ist ja toll“, platzt es aus Arno heraus, „das muss ich sofort meiner Frau erzählen.“ Hastig springt er auf und stürmt aus der Tür, wo er fast mit Helga zusammenprallt. Fragend guckt die Chefhostess den Kapitän an: „Was wollte Arno hier?“ „Er hat den Kurswechsel bemerkt“, gibt Cornelia grinsend zur Antwort. „Oh je“, jammert Helga, „erneut ein Grund zur Reisepreisminderung auf seiner langen Liste?“ „Das glaube ich in diesem Fall nicht“, meint der Kapitän und lächelt. Nach den drei langen Monaten an Bord kennt er nämlich seine Schäfchen und ihre Marotten ganz genau.

 

Die Wirkung der Elefantenwahl

 

Nicht alle Gäste reagieren später am Tag so gelassen wie Arno, aber natürlich wartet auf sie auch keine Privataudienz beim Kapitän am Abend. Die Worte „Maputo kaputo“, die irgendein Mitreisender von sich gegeben hat nach der Durchsage des Kapitäns, werden zum geflügelten Wort des Frustes. Vielen geht es dabei gar nicht unbedingt um den Ausfall des Hafens, sondern um die Tatsache, dass nun nicht morgens um 8 Uhr angelegt wird, sondern mehr oder weniger erneut ein Seetag auf dem Programm steht. Das nervt die Weltreisenden gewaltig.

Die Ankunft für Richards Bay wurde mit 17 Uhr angekündigt. Da hilft auch Helgas wirklich gutes Notprogramm an Unterhaltung nicht. Alle haben in den letzten Monaten genug getanzt, Bingo und Shuffle Board gespielt. Meine Passagiere sind gierig auf Land! Die rettende Idee hat schließlich am Nachmittag Cornelia. Sie schlägt Helga vor, doch spontan einen Programmpunkt durchzuführen, der „Offiziere shaken Cocktails“ heißt. Sie kennt das von der großen Reederei, bei der sie früher gearbeitet hat und versichert, dass diese Sache den Gästen immer Spaß macht.

Helga ist zunächst ein wenig misstrauisch, stimmt dann aber zu und organisiert alles. Um 14 Uhr 30 geht es los. Vier der Offiziere stehen jeweils hinter einem Tisch mit Zutaten und der Barmanager coacht sie abwechselnd bei der Zubereitung. Alle Cocktails gehen natürlich aufs Haus und so beginnen meine Weltreisenden natürlich auch alle vier Drinks zu verkosten. Passend zur neuen Destination Südafrika gibt es „Wild Lion“, „Big Buffalo“, „Creamy Rhino“ und „Elephant´s Choice“. Wilfried, der Zweite Offizier und Freund von Cornelia, mixt den letztgenannten und dieser entpuppt sich mit seinen Zutaten Amarula Cream, Haselnusslikör und Wodka als der absolute Renner. An die Mengenangaben hält Wilfried sich nicht wirklich und der Schuss Wodka ist schon lange bei ihm viel mehr als 3 cl. Dafür ist die Stimmung gut.

Der DJ spielt schmissige afrikanische Rhythmen und es wird getanzt und gelacht. Nach zwei Stunden ist die Party beendet und nahezu alle Gäste ziehen sich mehr oder weniger alkoholisiert in ihre Kabinen zurück. Als wir um 17 Uhr vor Richards Bay ankern, bemerkt dies keiner der Passagiere, auch nicht, dass wir zwei geschlagene Stunden auf die Einfahrt in den Hafen warten müssen, weil wir viel zu früh dran sind. Cornelia und Wilfried kehren lachend Arm in Arm auf die Brücke zurück. „Und?“, fragt der Kapitän, „wie war es?“ „Alles prima“, ist Wilfrieds Antwort, „die Elefantenwahl hat uns gerettet.“ „Sind Sie betrunken?“, langsam nähert sich der Kapitän seinem Offizier. „Also wir nicht“, hilft Cornelia, „aber die meisten Gäste schlafen erst mal.“

 

Der Morgen danach in Richards Bay

 

Am nächsten Morgen herrscht wieder Normalzustand auf mir, der MS Schüppy. Die ersten Busse fahren vor, um meine Passagiere zu umfangreichen Ausflügen abzuholen. Der eine oder andere Gast sieht noch ein wenig leidend aus. Auch habe ich beobachtet, dass einige zum Frühstück dann doch neben ihren üblichen Tabletten eine weitere Tablette zu sich genommen haben. Ich tippe mal auf Kopfschmerztabletten.

Mein Kapitän selbst hat ein Motorrad gemietet und braust damit und mit einem klaren Kopf mit Helga in ein nahegelegenes Zulu-Dorf. Wenn ich mich so im Hafen umsehe, dann finde ich, dass Richards Bay, so exotisch es klingt, nichts Besonderes ist. Ich kann grüne Wiesen erkennen und ein paar Fischerboote. Afrika habe ich mir anders vorgestellt.

Cornelia anscheinend auch, denn ich sehe sie am Heck stehen und gedankenverloren auf das Land blicken. Dabei sieht sie irgendwie traurig aus und ich beginne, mich um sie zu sorgen. Was sie wohl bedrückt? Mit Wilfried läuft die Sache rund, sogar der Kapitän hat ihre Beziehung akzeptiert. Ich habe inzwischen gelernt, dass Menschen sehr kompliziert sind und nehme mir fest vor, ein Auge auf die Kleine zu haben. Irgendwie habe ich sie in mein Herz geschlossen. Als sie später auf die Brücke zurückkehrt, fragt Wilfried sie nach ihren Plänen für morgen. Da werden wir im Hafen von Durban liegen. „Ich muss in der Stadt was erledigen“, ist ihre sehr ausweichende Antwort und bei der Betonung ihrer Worte ist klar, dass sie ihren Freund nicht dabeihaben möchte.

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Brina Stein
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Brina Stein

Brina Stein - Kreuzfahrtautorin - ist seit über 17 Jahren auf den Meeren dieser Welt unterwegs. 2012 verband sie das Reisen mit dem Schreiben und ist seitdem auch als Autorin auf dem maritimem Büchermarkt zu finden. Brina lebt im Taunus, ist aber auch häufig in ihrem Heimathafen Travemünde anzutreffen, im dem sie aufgewachsen ist.
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