Plankenschnack: Heute mit Beatrix Westphal – Deutschlehrerin

Foto: Bea arbeitet als Deutschlehrerin an Bord

Über die Arbeit einer Deutschlehrerin an Bord der Mein Schiff

Deutschlehrerin Beatrix Westphal hat ihr Klassenzimmer auf See. Ihre emsigen Schüler kommen aus vielen verschiedenen Ländern, mit dem Vorsatz, Deutsch zu lernen.

Wir freuen uns, dass Bea uns ein Interview über ihre Lehrertätigkeit zur See gegeben hat. Lest heute im Plankenschnack, was sie motiviert, antreibt und begeistert.

Foto: Deutschlehrerin Bea hat viele begeisterte Schüler

 

 

 

Liebe Bea, seit wann arbeitest Du als Deutschlehrerin an Bord und wie kam es dazu?

Ich arbeite seit Mai 2013 an Bord der Schiffe der Mein Schiff-Flotte. Letztlich kam es dazu, weil ich in Deutschland an unterschiedlichen Schulen unterrichtete und man händeringend Verstärkung für das damals noch sehr kleine Team der Deutschlehrer an Bord suchte. Okay, für einen Vertrag machte ich es. Nun, dieser eine Vertrag dauert jetzt irgendwie schon fast sieben Jahre.

Interessant! Wie lange ist denn ein Vertrag von der Dauer her bei der Mein Schiff-Flotte und was ist eigentlich der Unterschied zum Deutschunterricht an Land?

Naja, ein einzelner Vertrag dauert natürlich nicht sieben Jahre, das waren also schon einige bis heute. Normalerweise dauert ein Vertrag ungefähr vier Monate, in der Zeit arbeitet man sieben Tage pro Woche und das vollkommen unabhängig davon, wo man gerade ist oder welcher Wochentag ist.

Für mich ist wohl einer der größten Unterschiede zum Unterrichten an Land, dass man mit seinen Schülern zusammen lebt und dadurch die Möglichkeit hat, mehr über ihre Kultur und ihr Verhalten zu lernen. Man taucht tiefer ein in das, was einen umgibt. Es gibt ja keinen anderen Ort an dem man sein kann. Schüler an Land lernt man deutlich oberflächlicher kennen, was keinerlei Wertung ist. Es ist nun mal Fakt, dass ich an Land nicht mit meinen Schülern unter einem Dach lebe.

Foto: Freizeit an Bord genießen mit der Deutschlehrerin

Ist die Teilnahme am Unterricht für die Crew Pflicht? Wie viele Teilnehmer hat ein Kurs?

Wenn mich jemand fragt, ob die Teilnahme Pflicht ist, sage ich gerne nicht ganz ohne Stolz, dass ich es für ein Privileg halte, an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, Unterricht zu erhalten. Denn die Kollegen bezahlen dafür keinen Cent und sie müssen lediglich ihren Fleiß und etwas Freizeit zum Lernen einbringen. Sonst wird ihnen alles gestellt. Und ich muss sagen, dass viele Schüler das dankend annehmen.

Normalerweise hat man in einem Kurs 13 oder 14 Klassen mit bis zu 10 Schülern pro Klasse. Natürlich gibt es auch da mal saisonale Schwankungen, abhängig davon, ob gerade ein großer Wechsel kurz bevorsteht oder ähnliches. Aber normalerweise haben wir mehr Schüler, die gerne teilnehmen würden, als wir überhaupt unterbringen können.

Kommst Du bei Deinem Aufenthalt auch mit Gästen in Kontakt?

Mit den Gästen komme ich relativ wenig in Kontakt, da ich im Crewbereich arbeite. Ich freue mich aber über jeden netten Gast an Bord und ich bin dankbar, dass so viele Menschen Kreuzfahrten auf unseren schönen Schiffen buchen. Mir ist absolut bewusst, dass ich ohne unsere Gäste keinen Job hätte. Aber es  ist schon ganz gut, dass ich mit den Gästen nicht so viel Kontakt habe.

Ich unterhalte mich gerne. Wenn mir nette Gäste über den Weg laufen, kann es leider auch mal passieren, dass ich etwas zu spät im Unterricht erscheine. Ich beantworte gerne alle Fragen und möchte dem Gast immer das Gefühl geben, dass er gehört wurde und man ihm oder ihr ausreichend Informationen oder Auskünfte hat geben können.

Und damit ich diese Begegnungen immer genießen kann, ist es gut, dass sie nicht so häufig stattfinden.

Schildere uns doch mal ein Erlebnis deiner Arbeit an Bord, welches dich nachhaltig beeindruckt hat!

Besonders beeindrucken mich Schüler, die in den unteren Rängen ohne vorherige Deutschkenntnisse starten und sich über die Jahre so gute Kenntnisse aneignen, dass sie heute in Führungspositionen arbeiten. Das verdient Anerkennung und Respekt, denn Deutsch ist wirklich keine einfache Sprache.
Das ist vielleicht auch einer der schönsten Effekte meiner Arbeit, ich darf Karrieren fördern.

Foto: Deutschlehrerin Bea auf Landgang
Bitte vervollständige doch noch diese drei Sätze für uns
 
Ich arbeite auf einem Schiff, weil …es sonst jemand anderes macht und ich mir diesen Spaß nicht entgehen lassen will.
 
Mein absolute Lieblingshafen ist …,weil …
Mein absolute Lieblingshafen ist schwer zu benennen, weil ich so unglaublich viele schon angefahren bin.
Der für mich coolste ist wohl Amsterdam, weil es dort so unkompliziert ist etwas zu erleben, lecker zu essen, einzukaufen und zurück zum Hafen zu kommen.
 
Welche Destination als Kreuzfahrt steht bei Dir ganz oben auf der Wunschliste? Eine wählen zu müssen, ist ganz schön schwer. New York mit dem Schiff, das fände ich wahrscheinlich richtig cool! Das Visum hätte ich ja bereits, allerdings hat es, seit ich das Visum habe, nie gepasst, dass ich selbst auf der USA Route mitfahren konnte.

Liebe Bea, wir danken Dir für dieses interessante Interview und wünschen allzeit gute Fahrt und noch viele Schöne Erlebnisse als Deutschlehrerin an Bord. „Kennengelernt“ haben wir Bea übrigens durch die Lektüre des Buches „Das Schiff ist weiblich“, in dem sie ihr eigenes Kapitel hat. Nähere Infos zu dem Projekt gibt es hier

Alle Fotos wurde uns von Beatrix Westphal zur Verfügung gestellt. 

Das Interview führte Brina Stein. 

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Brina Stein
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