Plankenschnack: Heute mit Marcus Geuss – Marcelini & Oskar

Marcelini und Oskar auf der Bühne
Marcus Geuss auf der Bühne

Boris Noruschat trifft Marcus Geuss im Interview

Boris Noruschat hat Marcus Geuss als sehr liebenswerten Vollprofi bei der Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff kennengelernt. Marcus ist der Zauberer Marcelini und außerdem Bauchredner. 

Dies beherrscht er mit absoluter Perfektion. Mittlerweile bespielt er in seinem Bühnenprogramm gleich mehrere Figuren und Puppen. Bekannt geworden ist er aber durch seinem Hund Oskar. Der kleine freche Racker bringt sein Herrschen in so manch schwierige Situation und damit die Leute zum Lachen. Zu Markus weiteren Tätigkeiten zählt das Synchronisieren von Figuren. Achten Sie beim nächsten Weihnachtsmarktbesuch zum Beispiel auf einen großen Elch, der die Leute in seinen Bann zieht. Keine Show von ihm bleibt ohne Gesang. Das toppt er dann noch, wenn er als Bauchredner mit seinen Figuren im Duett singt. Heute habe ich Ihn zu einem gemütlichen Plankenschnack eingeladen.

Plankenschnack mit Marcus Geuss 

BN: „Lieber Marcus, schön das du heute Zeit für ein Interview bei Plankenschnack gefunden hast. Wir haben uns vor Jahren auf der guten alten MS Delphin kennengelernt. Sicherlich bist Du wieder auf dem Ritt zwischen deinen Auftritten. Fangen wir mit dem Wichtigsten an. Nächstes Jahr feierst du dein 30jähriges Bühnenjubiläum! 30 Jahre – hast du das schon realisiert?“

MG: „Wenn ich ehrlich bin, nicht wirklich. Aber Du hast recht! Mit 14 Jahren habe ich meinen ersten Zauberkurs besucht, das war im Mai 1989 in der Zauberschule Ulm und damit hat alles begonnen. Wie die Zeit vergeht!“

BN: „Mit dem neuen Bühnenprogramm „Friede, Freude, Hundekuchen“ hast du schon viele Menschen glücklich gemacht. Auch momentan laufen die Planungen für 2019 mit diesem Programm wie ich gelesen habe. Können wir 2019 – zum Jubiläum – trotzdem mit etwas Neuem rechnen – einer neue Figur eventuell? 

MG: „Bis das momentan aktuelle Programm auf der Bühne stand, hat es über ein Jahr gedauert. Aber, es hat auch viel Geld für Requisiten, Puppen, Kulissen, Musik und viele weitere Dinge verschlungen. Aber ich glaube, es hat sich gelohnt! Es läuft gut und was mir gar nicht klar war, es ist eine Show für alle Generationen. Ober Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder Senioren – alle haben ihren Spaß. 2019 toure ich damit natürlich weiter und möchte es in ganz Deutschland präsentieren.

Aber neue Ideen kommen ständig und man arbeitet, soweit es finanzierbar ist, immer an neuen Darbietungen. So viel steht fest, es wird im nächsten Jahr auf jeden Fall mindesten einen neuen Charakter in meinem „Puppen-Ensemble“ geben!“

Plankenschnack mit Marcus Geuss – der Auslöser 1989 und warum ist Oskar ein Hund?

BN: „1989 ging alles los mit der Zauberei, aber was war eigentlich damals der Auslöser für den Start? „

MG: „Ein Zauberkasten – ganz klassisch! Als Kind fand ich diese nur immer etwas zu einfach und billig. Also kaufte ich mir vom Taschengeld einen „Zauberkasten für Erwachsene“ und da waren tolle Kunststücke drin und Werbung für die Zauberschule Ulm! Nach meiner Konfirmation nahm ich all mein Geld zusammen und finanzierte mir den ersten Zauberkurs. Und da meine Tante in Ulm lebte, war das auch kein Problem, alleine dorthin zu reisen.“

BN: „Das klingt spannend. Wann war die Geburtsstunde deiner Figur „Oskar“ und warum ist dieser ausgerechnet ein Hund?“

MG: „Ich hatte (und habe noch) ein zwanziger-Jahre-Programm mit einem Pianisten. Wir präsentieren dort Couplets und Zauberkunst dieser Zeit und zelebrieren das Varieté. Bei den Recherchen zu dieser Show wurde mir klar, das neben Coupletsängern auch Bauchredner unglaublich beliebt waren. So beschloss ich, dies zu lernen, was aber über ein Jahr dauerte. Bei einer Messe in Nürnberg traf ich Oskar. Er lag als Prototyp an einem Stand, ich verliebte mich, bekam ihn und es war Liebe auf den ersten Blick!“

BN: „Eine liebenswerte Geschichte. Mittlerweile hast du ja nun recht viele Figuren, aber Oskar ist sicherlich die Hauptfigur geblieben, oder?“

MG: „Es gibt mittlerweile wirklich viele Figuren, doch Oskar ist und bleibt meine Hauptfigur. Er ist ein Stück von mir, hat sein „eigenständiges“ Leben und in ihm lebt mein inneres Kind. Ich glaube, dass die Zuschauer das merken und sie nehmen ihn auch als „lebendiges Wesen“ wahr, so verrückt dies klingen mag.“

BN: „Hat Oskar eigentlich ein Eigenleben, ich meine, gibt es Dinge, die ein Marcus Geuss nicht sagt, aber Oskar darauf keine Rücksicht nimmt?“

MG: „Ja, er ist manchmal in besonderen Situationen schneller als ich und es gibt Momente, wo ich nicht wirklich kontrollieren kann, was er sagt! Oskar ist fast wie ein Kind, dass sagt, was es denkt! Und genau das macht ihn aus!“

Marcus Geuss mit Hund
Oskar und Marcelini ein gutes Team

Plankenschnack mit Marcus Geuss – Privatleben, Pannen und Seegang

BN: „Kommen wir nun zur Tätigkeit an Bord. Ich weiß, dass es eine Arbeit ist, die dir viel Spaß macht und, dass du auch ein gern gesehener Künstler bei den Gästen und der Crew bist. Auf den kleinen Schiffen ist das Publikum meist etwas älter und eher konservativ. Hast du schon mal Probleme damit gehabt, dass Du keine heterosexuelle Beziehung führst?“

MG: „Bisher habe ich an Bord bei allen Reisen, die ich gemacht habe, noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Klar kann man mit seinen Shows nie allen gefallen und es gibt immer Leute, denen das eine zu laut oder zu schräg war, wieder anderen zu leise…! Aber im Ganzen betrachtet habe ich es immer geschafft, das Publikum zu begeistern und das auch quer durch alle Altersschichten. Das ist eine tolle Arbeit und macht riesig Spaß!

Die sexuelle Orientierung spielt dabei überhaupt keine Rolle und ich habe in diesem Zusammenhang auch wirklich noch nie bewusst negative Situationen erlebt, nur weil ich offen schwul lebe!“

BN: „An Bord heisst es oft improvisieren, dass kennst du sicherlich auch. Die Gäste erwarten immer eine perfekte Show und ich weiß auch, dass es viele helfende Hände gibt, um zu helfen. Kannst Du dich an eine Show erinnern, wo es mal kräftig daneben gegangen ist und wie gehst Du mit dieser Situation dann um?“

MG: „Das Schlimmste, dass mir je passiert ist, war während einer große Show-Tournee, die ich mit Oskar moderieren durfte. Ich stand in der Messehalle Chemnitz vor fast 5.000 Zuschauern und keiner reagierte und lachte! Das war so schlimm! Nach der Show sagten mir die Techniker, dass die Anlage in der Halle überhaupt nicht für Sprache geeignet war und man vor Ort kurzfristig daran nichts ändern konnte. Die Zuschauer haben mich schlichtweg nicht verstanden. Das war echt furchtbar! Am nächsten Tage waren wir in der Saarlandhalle in Saarbrücken und da klappte es um so besser, was dann eine kleine Entschädigung war.“

BN: „Ein Schiff in Verbindung mit dem Wetter, nimmt keine Rücksicht auf die Show. Wird ein Marcelini auch mal seekrank und spielt er dann trotzdem weiter?“

MG: „Auch hier muss ich sagen „toi, toi, toi“! Klar macht der Kreislauf mal ein wenig schlapp, wenn es zu heftig stampft und die Kabine auch noch ganz vorne ist. Aber richtig seekrank war ich noch nicht und habe oft auch auf rauer See immer gespielt. Aber sobald man auf der Bühne steht, sorgt das Adrenalin dafür, dass es einem sowieso gut geht. Und ich halte mich an den Tip der Kollegen: Viel essen, das hilft!“

Plankenschnack mit Marcus Geuss – Lieblingsorte, Schiffe und der Ausgleich

BN: „Marcus, du hast wirklich durch deinen Job viele schöne Länder und Orte dieser Welt gesehen, manche sogar mehrfach. Welchen dieser Orte kannst Du nicht genug besuchen und was macht diesen ihn so besonders?

MG: „Ja, es gibt so viele tolle Orte, die ich besuchen und sehen durfte. Sicher ist Madeira meine Lieblinginsel, denn sie ist einfach nur schön. Aber auch Kanada mit den großen Seen, Kuba oder Südafrika waren grandios. Unvergessen auch Silvester vor Rio de Janeiro! Ich bin dankbar, das ich so viel erleben und sehen darf und durfte!“

BN: „Da hier auch Reedereien mitlesen, spare ich mir die Frage, nach deinem Lieblingsschiff, jedes hat sicherlich seinen eigenen Charme. Aber welches Schiff steht noch auf deiner persönlichen Wunschliste, wo sollte „Friede Freude Hundekuchen“ mal aufgeführt werden?

MG: „Ein Wiedersehen mit der MS Deutschland wäre toll! Und auch würde ich gerne einmal die Schiffe von Happag Lloyd kennen lernen. Ich bin da sehr offen für alles, was mir die Zukunft bereit hält.“

BN: „Du bist viel unterwegs auf den Bühnen vieler Städte oder gleich längere Zeit auf See. Da muss das Privatleben und der Partner zurückstecken, wie gleicht man sowas aus?“

MG: „Als freischaffender Künstler muss man die Aufträge annehmen, wie sie kommen und kann sich Zeiten, in denen man arbeitet, nicht wirklich aussuchen. So kommt es oft vor, dass man zu machen Zeiten im Jahr lange unterwegs ist und dann wieder andere Wochen hat, in denen man mehr zu Hause ist.

Für den Partner ist das oft nicht leicht, wenn man so lange weg ist, vor allem wenn es wirklich weit weg ist. Man versucht dann, davor oder danach die Zeit mit gemeinsamen Unternehmungen oder schönen Momenten wieder auszugleichen. Das gelingt natürlich nicht immer. Aber ich habe das Glück, dass mein Partner auch als Künstler arbeitet und somit um diese Situation weiß.“

Oskar und Marcelini
Magische Momente auf der Bühne

Plankenschnack mit Marcus Geuss – von der Magie und ihrer Suche

BN: „Wo findet ein Zauberer seine Ruhe und seinen eigenen magischen Moment, um mal Luft zu holen?“ 

MG: „Ich habe da meine eigene Art, mir diese zu schaffen. Wenn ich zum Beispiel an Bord bin und mir am Seetag mal die Luft um die Nase wehen lasse, die Natur um mich herum genieße oder tolle Städte besuche, dann kann das magisch sein. Aber ich schau mir auch gerne Shows und Musicals an und lasse mich fallen. Daraus schöpfe ich kreative Kraft. Das kann übrigens auch bei einem guten Film im Kino oder Fernsehen passieren.“

BN: „Wenn wir von der Magie reden, dann gibt es heute fast nur noch megagigantische, riesige Shows ohne direkte Zuschauernähe. Die Magie der vergangenen Tage und Zeiten war hier deutlich anders. Ich weiß, dass dich das schon immer fasziniert hat, denn auch dein großes Vorbild kam aus dieser Zeit. Was macht es für dich so besonders?

 MG: „Mein Zaubermeister war einer der letzten lebenden Zauberkünstler, der im alten Wintergartenvarieté auf der Bühne stand und vom ihm habe ich die Philosophie und die Sichtweise auf unsere Kunst erlernt. Die große Zeit der Varieté ist Geschichte, aber es war pur und nah an den Menschen und das hat, glaube ich, den großen Reiz ausgemacht. Heute wird im Fernsehen und auch in den großen Hallen alles größer und schneller. Aber ich bin der festen Überzeugung, das die Menschen wieder nah dran sein wollen, die feinen und emotionalen Momente suchen und natürlich auch gut unterhalten werden wollen, mit einem Künstler der sie im Herzen berührt.“

BN: „In 10 Jahren, zum vierzigsten Jubiläum, würde ich gerne ein Interview führen, was wird Marcelini in dieser Zeit erreicht haben und wird Oskar noch an deiner Seite sein?

MG: „Das würde mich sehr freuen! Schauen wir mal, was die Karriere und der Lebensweg so für mich und auch für Oskar bereit hält. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass Oskar dann noch an meiner Seite ist. Er ist ein Teil von mir, den ich wohl zu nie ablegen kann und das ist auch gut so!“

Wir bedanken Dir uns bei Marcus Geuss für dieses aufschlussreiche Interview und wünschen ihm speziell für sein Jubiläumsjahr toi toi toi! 

Alle Fotos wurden uns von Marcus Geuss zur Verfügung gestellt. 

Information:

Zur Marcus Geuss Homepage geht es hier! 

Wer schon mal bei Marcelini und Oskar reinschauen möchte 🙂