Reisebericht Teil 2: Große Seen und Indian Summer mit der MS Hamburg

Titelfoto MS Hamburg auf den Grossen Seen / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Titelfoto MS Hamburg auf den Grossen Seen / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Große Seen mit der MS Hamburg zwischen Wolkenkratzern und Sanddünen

Im zweiten Teil meines Reiseberichtes kreuze ich mit der MS Hamburg nach Cleveland und Detroit, auf die idyllische Insel Mackinac, über Milwaukee, zur Skyline von Chicago und zu malerischen Sanddünen.

Tag 8: 05. Oktober 2019 Cleveland, Ohio, USA

Die Stadt Cleveland

Pünktlich um 08:00 Uhr liegt die MS Hamburg an der vorgesehenen Pier in Cleveland an. Bevor in Cleveland ein freier Landgang möglich ist, müssen alle Reisenden zur Einreisekontrolle bei den US-Behörden. Dafür wurde ein mobiler Container vor der MS Hamburg aufgestellt. Dieser Kontrollvorgang ist gut organisiert und daher verhältnismäßig zügig abgeschlossen.

Im Stadtgebiet von Cleveland leben rund 386.000 Menschen. Die Stadt hat sich im Laufe der Jahre von einer ehemaligen Industriestadt zur lebendigen Kulturmetropole gewandelt. Cleveland ist umgeben von grünen Parklandschaften und dem Ufer des Eriesees.

Rock and Roll Hall of Fame Cleveland / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Rock and Roll Hall of Fame Cleveland / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Cleveland:

  • Rock & Roll Hall of Fame
  • A Christmas Story House
  • Cedar Point Amusement Park
  • Children´s Museum of Cleveland
  • Cleveland Botanical Garden
  • Cleveland Museum of Art
  • Cleveland Museum of Natural History
  • Cuyahoga Valley National Park
  • Soldiers & Sailors Monument
  • West Side Market
  • Great Lakes Science Center
  • The Arcade Shopping Center & Hyatt Regency Cleveland
  • Fountain of Eternal Life
  • Terminal Tower view

Vom Hafen aus starte ich einen Rundgang durch Cleveland, der mich zunächst zur Rock & Roll Hall of Fame führt. Dieses Gebäude besticht schon von Weitem durch seine auffällige Bauweise in Form einer Pyramide und erhielt im Laufe der Jahre zwei Design-Awards. Die Rock & Roll Hall of Fame ist ein Museum, welches die wichtigsten und einflussreichsten Musiker und Persönlichkeiten im Umfeld des Rock & Roll ehrt. Das Museum wurde im September 1995 eröffnet und nimmt jährlich eine begrenzte Anzahl neuer Musiker auf, deren erster Tonträger mindestens 25 Jahre vorher veröffentlicht werden musste.

Von der Rock & Roll Hall of Fame laufe ich weiter in Richtung Fountain of Eternal Life, der inmitten eines großen Platzes steht. Beim Fountain of eternal Life, dem Springbrunnen des ewigen Lebens, handelt es sich um eine Statue und einen Brunnen, die von einem Absolventen des Cleveland Institute of Art entworfen und im Jahr 1964 eingeweiht wurde.

Fountain of Eternal Life Cleveland / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Fountain of Eternal Life Cleveland / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Einst das zweithöchste Gebäude der Welt

Unweit des Fountain of Eternal Life steht zwischen den Wolkenkratzern die Old Stone Church, die im Jahr 1820 an diesem Ort errichtet wurde. Sie ist das älteste Gebäude am Cleveland Public Square, auf dem sich ein weiterer Brunnen, ein Café sowie das Soldier´s and Sailors Monument befinden. Auf der gegenüberliegenden Seite ragt der Turm des Terminal Towers in den Himmel von Cleveland. Der Terminal Tower gehört zum Gebäudekomplex des Tower City Centers. Die Einweihung des Turmes sollte im Jahr 1930 mit der Eröffnung des Tower City Centers erfolgen, doch die ersten Räume wurden bereits im Jahr 1928 bezogen, also gleich nach der Fertigstellung. Im Jahr 1928 war der Terminal Tower das zweithöchste Gebäude der Welt, nach dem Wolworth Building in New York. Wenn man von der steigenden Zahl der Hochhäuser in New York absieht, blieb der Terminal Tower bis zum Jahr 1953 das weltweit höchste Hochhaus außerhalb von New York. Der Terminal Tower ist bis zur oberen Etage 215,8m und bis zur Turmspitze 235m hoch. Abgelöst wurde er von der Lomonossow-Universität in Moskau, deren äußerst lange Turmspitze 240m in den Himmel ragt. An Wochenenden und Feiertagen ist die auf der 52. Etage gelegene Aussichtsplattform auf dem Terminal Tower für Besucher geöffnet. An Wochentagen ist die obere Etage geschlossen, da diese von Besuchern nicht direkt erreicht werden kann und ein Fahrstuhlwechsel innerhalb des Gebäudes notwendig ist. Da der Terminal Tower ein Bürogebäude ist, würden die Besucher während der Arbeitszeiten die Mitarbeiter in den Büros stören.

Blick vom Terminal Tower auf Cleveland und Eriesee / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Blick vom Terminal Tower auf Cleveland und Eriesee / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Historische Hubbrücken und Ohio City

Nach dem Besuch auf der Aussichtsplattform kehre ich in ein typisches Steakhaus in der Altstadt von Cleveland ein, dem ein weiterer Spaziergang durch die City, sowie in Richtung des Cuyahoga Rivers, an dessen Mündung Cleveland liegt, folgt. Der Cuyahoga River ist nur 137km lang, durchfließt das Stadtgebiet von Cleveland aber sehr malerisch in Wellenform. Der Cuyahoga River wird in Cleveland von mehreren, historischen Hubbrücken überquert. Die Mehrzahl der weltweit ältesten Hubbrücken befindet sich in den USA. Eine davon, die Carter Road Bridge aus dem Jahr 1940, überquere ich auf dem Weg in das derzeit populärste Ausgehviertel von Cleveland. Nicht nur die Innenstadt von Cleveland bietet ein umfangreiches Nachtleben, auch das derzeit populärste Viertel der Stadt, Ohio City. Im Stadtteil Ohio City sind exklusive Cocktailbars, Biergärten, hippe Bistros, Gourmetrestaurants und große Eisdielen zu finden, die allesamt lokale Zutaten verarbeiten. Das Ladenlokal von Mitchell´s Hommemade Ice Cream befindet sich in einem alten Kino und ist nicht zuletzt wegen der außergewöhnlich leckeren Eiscreme einen Besuch wert. Man kann dort sogar bei der Herstellung der Eiscreme zusehen.

Cleveland Skyline mit Cuyahoga River und alter Hubbrücke / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Cleveland Skyline mit Cuyahoga River und alter Hubbrücke / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Das erste Einkaufszentrum der USA

Da sich der Tag langsam dem Ende neigt, begebe ich mich auf den Rückweg in Richtung Hafengelände, schaue mir vorher aber noch ein historisches Gebäude in der City an, die Arcade. Die Cleveland Arcade besteht aus zwei neunstöckigen Gebäuden im viktorianischen Stil und einer fünfstöckigen Arcade mit Glasdach, das sich über eine Länge von knapp 100m über die Arcade erstreckt. Eröffnet wurde die Arcade im Jahr 1890, eine Renovierung fand 1939 statt, hierbei wurden im Innenbereich Art-Deco-Balkone installiert. Die Cleveland Arcade war das erste Einkaufszentrum in den USA. In einem der Gebäude befindet sich heute das elegante Hyatt Regency Hotel. Im Bereich der überdachten Arcade kann auch heute noch eingekauft werden.

  • In der Galerie der 360°-Panoramaaufnahmen ist auch die Cleveland Arcade zu finden <<Link>>

Kurz vor Sonnenuntergang kehre ich zurück an Bord der MS Hamburg, die um 23:00 Uhr den Hafen in Richtung Detroit verlässt. Die Distanz bis Detroit beträgt 98 Seemeilen bzw. 181 Kilometer.

Cleveland überzeugte erst auf den dritten Blick

Auf den ersten Blick hat mich die Stadt Cleveland wenig begeistert und ließ den Eindruck aufkommen, als hätte sie wenig für Besucher zu bieten – abgesehen von zahlreichen Museen. Auf den zweiten, oder eher dritten Blick, hat mir die Stadt mehr und mehr gefallen. In Cleveland empfiehlt es sich, durch die Straßen treiben und den Blick schweifen zu lassen. Am Ende des Tages hat mich die Stadt wirklich überzeugt.

  • Gesamte Bildergalerie des heutigen Tages in Cleveland <<Link>>

Tag 9: 06. Oktober 2019 Detroit, Michigan, USA

Die Stadt Detroit

Mit rund 680.000 Einwohnern ist Detroit die größte Stadt in Michigan. Detroit liegt direkt an der kanadischen Grenze am Detroit River. Detroit trägt immer noch den Spitznamen „Motor City“, was an die goldenen Zeiten der Autoindustrie erinnert. Die Finanzkrise und der Niedergang der Autoindustrie in den 2000ern traf die einst so stolze Metropole sehr hart und brachte die Wirtschaft bis heute nahezu zum Erliegen. Häuser und Grundstücke sind äußerst günstig und die Möglichkeiten für Gründer vielfältig. Ganz langsam steht Detroit wieder auf. Es eröffnen in der Innenstadt wieder Filialen bekannter Labels, Bewohner kehren zurück und Investoren kaufen riesige Grundstücke für wenig Geld.

Ich entschließe mich dazu, einen Rundgang durch die Innenstadt zu unternehmen. Detroit wirkt auf den ersten Blick wie jede andere US-Großstadt. Direkt am Liegeplatz der MS Hamburg befindet sich die Unternehmenszentrale von General Motors im 221m hohen Renaissance Center. Neben der Konzernzentrale von General Motors ist im Mittelturm, des höchsten Gebäudes von Detroit, eines der größten Hotels der USA, das Marriott-Hotel mit 1.298 Zimmern untergebracht. Das Renaissance Center ist erst seit dem Jahr 1997 Standort der GM-Zentrale. In der offenen Halle ist eine ständig wechselnde Ausstellung der jeweils aktuellen GM-Automobile, sowie einiger Museumsautos zu bestaunen. Der bis dahin genutzte Gebäudekomplex (General Motors Building) wurde renoviert, erhielt einen neuen Namen und ist heute Regierungsgebäude des Staates Michigan.

Detroit Riverfront und Renaissance Center mit MS Hamburg / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Detroit Riverfront und Renaissance Center mit MS Hamburg / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Vom Herz der Welt-Autoindustrie zur ärmsten Großstadt der USA

Von 1931 bis 2007 war General Motors nach Verkaufszahlen der weltgrößte Automobilhersteller. Detroit erlangte seinen Ruhm, weil Henry Ford sie als Standort aussuchte, um ein preiswertes Auto in großen Stückzahlen zu produzieren. Henry Ford läutete 1913 mit der Massenproduktion des Ford T die Hochphase der Industrialisierung ein. Dieser Schritt zog seinerzeit mehr und mehr konkurrierende Autohersteller ebenfalls nach Detroit. Detroit war eine amerikanische Erfolgsstory, die Stadt wuchs und gedieh in beispiellosem Tempo. Der Traum vom „Aufstieg für alle“ wurde hier in Detroit geträumt. Die Stadt ist außerdem die Geburtsstätte des Plattenlabels Motown Records, welches später nach Los Angeles zog. Der Alptraum vom Niedergang begann schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Aufstieg europäischer und japanischer Autohersteller, die Ölkrise der 70er Jahre, Rasseaufstände, stetig steigende Benzinpreise, eine schlechte Verarbeitungsqualität der Autos und unattraktive Produkte sind nur einige der Gründe, weshalb Detroit mit seiner Autoindustrie wirtschaftlich in ein tiefes Loch gefallen ist. Detroit war einst das Herz der Welt-Autoindustrie und heute die ärmste Großstadt der USA.

Detroit City Impressionen / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Detroit City Impressionen / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Zwischen bewegender Geschichte und eigenen Eindrücken

Die Stadtverwaltung tut ihr Bestes, um das bröckelnde Straßensystem zu reparieren, alte Wohnungen zu sanieren und neue zu bauen sowie die Straßen sauber zu halten. Alt ehrwürdige, verlassene Hotels werden renoviert, neue Geschäfte und Restaurants eröffnen in der Stadt. Die bewegende Geschichte weiter zu betrachten, würde den Rahmen meines Reiseberichtes sprengen, daher betrachte ich die Stadt heute aus meinem eigenen Gesichtspunkt heraus. Meine ersten Eindrücke nach dem Verlassen des Liegeplatzes der MS Hamburg waren positiv. Daran ändert sich auch nichts, als ich weiter in Richtung Innenstadt laufe. Die Straßen sind sauber, die Menschen überaus freundlich, nur wenige Geschäfte stehen leer.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Detroit:

  • Henry Ford Museum
  • Detroit Institute of Arts – Großes Museum für internationale Kunst
  • Belle Isle Zoo und Park
  • Detroit International Riverfront
  • Philip A. Hart Plaza
  • Downtown Detroit mit seinen vielen historischen Gebäuden

Nach meinem Stadtrundgang bleibt der erste Eindruck unverändert, mir gefällt Detroit und der ganz besondere Charme der Stadt ist alles andere als abschreckend. Der schlechten Kriminalitätsstatistik glaube ich natürlich, kann aber den ganzen Tag lang keinerlei besorgniserregende Situationenen feststellen.

Horace E. Dodge Fountain und Skyline Detroit / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Horace E. Dodge Fountain und Skyline Detroit / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Auf dem Rückweg zum Liegeplatz der MS Hamburg schaue ich mir den großen Stadtplatz von Detroit am Detroit River an, den Philip A. Hart Plaza. Der riesige Platz liegt vor der Skyline der Stadt an jener Stelle, an der die frühere Siedlung gegründet wurde, aus der Detroit entstand. Der 57.000m² große Platz wurde nach dem verstorbenen US-Senator Philip Hart benannt und wurde 1975 eröffnet. Im Jahr 1978 wurde der in der Mitte des Platzes stehende Horace E. Dodge Fountain eingeweiht, der leider zum Zeitpunkt meines Besuches abgeschaltet war. Zum 300. Geburtstag der Stadt wurde eine Statue enthüllt, die an die Gründung der Stadt erinnern soll. Ein weiteres Denkmal am Flussufer erinnert an Detroits Rolle in der U-Bahn. Hart Plaza bietet etwa 40.000 Menschen Platz. Eine weitere Besonderheit ist ein kleines Amphitheater, welches für öffentliche Veranstaltungen genutzt wird. Der Platz ist sehr schön angelegt und unterstreicht einmal mehr meinen positiven Eindruck, den ich heute von Detroit gewonnen habe.

Main Amphitheater am Hart Plaza und Skyline Detroit / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Main Amphitheater am Hart Plaza und Skyline Detroit / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Damit endet mein heutiger Stadtspaziergang durch Detroit. Pünktlich um 13:00 Uhr nimmt die MS Hamburg Kurs auf die autofreie Insel Mackinac. Bis dahin müssen 301 Seemeilen bzw. 557 Kilometer zurückgelegt werden.

Fahrt auf dem St. Clair River

Nach dem Ablegen passiert die MS Hamburg die Belle Isle, bevor kurz darauf der Detroit River in den Lake St. Clair übergeht, den wir anschließend überqueren. Am Nachmittag steht die interessante Passage des St. Clair Rivers bevor. Der 64km lange St. Clair River ist Teil des Sankt-Lorenz-Seewegs. Er stellt ein Verbindungsstück zwischen dem Huronsee und dem Eriesee dar und fließt vom Huronsee in Richtung Lake St. Clair. Da der Fluss nicht besonders breit ist und die natürliche Grenze zwischen den USA und Kanada darstellt, gestaltet sich die Passage in ihrer gesamten Länge als sehr abwechslungsreich. An beiden Flussufern sind wunderschöne, alte Bauernhöfe, kleine Orte, bunte Holzhäuser und die bunten Laubverfärbungen des begonnenen Indian Summers zu bestaunen. Kurz vor dem Erreichen des Huronsees unterqueren wir die Blue Water Bridge. Ich werfe einen letzten Blick auf den Sonnenuntergang, bevor sich die Ufer immer weiter entfernen und nur noch der endlos erscheinende See vor uns liegt. Der Huronsee ist 332km lang und 245km breit.

MS Hamburg Fahrt auf dem St. Clair River / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Hamburg Fahrt auf dem St. Clair River / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
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Tag 10: 07. Oktober 2019 Mackinac Island, Michigan, USA

Land in Sicht!

Nach der Überquerung des Huronsees, kommt gegen Mittag wieder Land in Sicht. Und zwar jenes von Mackinac Island. Mackinac Island ist nicht irgendeine Insel, sondern eine mit vielen Besonderheiten. Abgesehen von ihrer Lage zwischen dem Huronsee und Michigansee, in der Mackinacstraße, ist die Insel bis heute völlig autofrei. Mackinac Island steht seit 1960 als Historic District auf der Liste der National Historic Landmarks. Fast alle Gebäude sind im viktorianischen Stil erbaut worden und haben ihren makellosen Zustand bis heute erhalten. Mackinac Island zählt zu einer der schönsten Inseln Nordamerikas. Auf der gesamten Insel gibt es nur etwa 1.600 Hotelbetten, was ihren ursprünglichen Charakter bewahrt hat.

Bewegte Vergangenheit

Mackinac Island hat eine bewegte Vergangenheit. Dazu zählt zweifelsfrei der Britisch-Amerikanische Krieg, in dem die Briten das Fort auf Mackinac einnahmen. Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges kehrte langsam und dauerhaft Ruhe auf der malerischen Insel ein. Auf Mackinac Island entstanden ab den 1880er Jahren die ersten Hotels und Restaurants für Touristen, die aus den Großstädten vom Festland anreisten. Bis heute nahezu im Original Zustand erhalten ist das 1887 eröffnete Grand Hotel, welches auf einem kleinen Hügel errichtet wurde. Die Hotelterrasse ist mit 200m bis heute die Längste der Welt.

Grand Hotel Mackinac Aussenansicht / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Grand Hotel Mackinac Aussenansicht / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Wohlhabende Geschäftsleute ließen sich an den Steilküsten prunkvolle Villen im viktorianischen Stil als Sommer-Residenzen („summer cottages“) errichten. 1875 ist Mackinac Island zum zweiten Nationalpark der USA erklärt worden, nach dem Yellowstone Nationalpark drei Jahre zuvor. Im Jahr 1895 ging die Insel von der US-Regierung in den Besitz des Bundesstaates Michigan über. Mackinac Island wurde der erste State Park in Michigan. Nachdem die ersten Autos um 1895 herum über die Insel knatterten, über die sich viele Inselbewohner beschwerten, trat 1898 ein Autoverbot in Kraft, welches bis heute Bestand hat. Als Ausnahmen sind nur Krankenwagen, Baufahrzeuge und Schneemobile zugelassen. Das Haupt-Transportmittel auf der Insel sind Pferdekutschen. Auch motorisierte Taxis gibt keine. Die meisten Strecken legen die Bewohner mit dem Fahrrad zurück, die man auf der Insel als Besucher an Verleihstationen ausleihen kann.

Mackinac Island Strassen-Impression / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Mackinac Island Strassen-Impression / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Rauschende Wellen, buntes Herbstlaub und klappernde Pferdehufe

Eine Liste an Sehenswürdigkeiten gibt es auf Mackinac Island nicht. Die gesamte Insel ist eine Sehenswürdigkeit. Abgesehen von den Südstaaten der USA sind in keiner Region so viele Häuser zu bestaunen, welche im viktorianischen Stil erbaut wurden und sich in einem so hervorragenden Erhaltungszustand befinden. Einzig das Fort Mackinac ist als markante Sehenswürdigkeit zu nennen. Erbaut wurde Fort Mackinac 1780. Nachdem man es 1890 stillgelegt und geschlossen hat, wurde es in den 1930er Jahren restauriert und in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Man kann Fort Mackinac besichtigen. Ich lasse mich durch die urigen Straßen treiben, genieße den Anblick der zahlreichen Pferdekutschen und pausiere an unterschiedlichen Spots. Es gibt einige kleine Strände, die aufgrund des starken Windes heute von großen Wellen überspült werden. Ich lausche dem Rauschen der aufgewühlten See und beobachte das von den Bäumen fallende, bunte Herbstlaub. Der Himmel ist blau, die Möwen lassen sich im Wind treiben und immer wieder höre ich das Klappern der Pferdehufe durch die Straßen hallen. Eindrücke die einfach herrlich sind. Das zwangsweise verlangsamte Tempo auf Mackinac Island gibt dem Besucher die Möglichkeit, den nostalgischen Charme der Insel intensiv zu genießen.

Pferdekutschen und viktorianische Villen auf Mackinac Island / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Pferdekutschen und viktorianische Villen auf Mackinac Island / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Auf Mackinac Island wird übrigens eine lokale Spezialität hergestellt, der Mackinac Island Fudge. In der Hochsaison sind es täglich fünf Tonnen Fudge. Die Geschichte reicht mehr als 100 Jahre zurück. Bei Fudge handelt es sich um ein leckeres Weichkaramell, welches in verschiedenen Geschmacksrichtungen produziert wird. Anders als Karamellbonbons hat Fudge eher die Konsistenz zwischen Nougat und Marzipan. Es existieren derzeit vierzehn Geschäfte, die Fudge verkaufen und zum Teil selbst herstellen.

Mackinac Island ist das Juwel der Großen Seen. Man muss die Insel genießen und ohne festes Programm erkunden. Am Abend geht es zurück an Bord der MS Hamburg, die gleich nach dem Lichten des Ankers Kurs auf die Mackinac Bridge nimmt. Kurz nach Sonnenuntergang passieren wir die 1158m lange und 168m hohe Brücke, die im Jahr 1957 eingeweihte wurde. Das nächste Ziel, Milwaukee, liegt 246 Seemeilen bzw. 455km entfernt.

MS Hamburg vor Mackinac Bridge / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Hamburg vor Mackinac Bridge / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
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Tag 11: 08. Oktober 2019 Milwaukee, Michigan, USA

Kurz nach dem Mittagessen erreicht die MS Hamburg die größte Stadt des amerikanischen Bundesstaates Wisconsin, Milwaukee. Die Stadt erstreckt sich am Wunderschönen Westufer des Lake Michigans und hat weit mehr zu bieten als ein Harley-Davidson Museum. In Milwaukee befindet sich nämlich die Firmenzentrale des wohl berühmtesten Herstellers für Motorräder, Harley-Davidson. Es gibt sowohl durch das Museum als auch durch die angrenzende Fabrik öffentliche Führungen. Abgerundet wird das Angebot durch ein dazugehöriges Restaurant. Die Stadt bietet den Einwohnern insgesamt einen hohen Freizeitwert. Besonders schön angelegt ist der „Riverwalk“, an dem sich auch das architektonisch auffällige Kunstmuseum befindet. Während eines Spaziergangs entlang des Riverwalks bekommt man einen guten, ersten Eindruck von der Stadt. Außerdem gibt es einige Gelegenheiten, in einem der zahlreichen Cafés oder in einer Bar einzukehren. Ein Besuch im Kunstmuseum ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich, da dort ein Casting für eine amerikanische Musikshow stattfindet.

Milwaukee Art Museum, Waterfront und Skyline / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Milwaukee Art Museum, Waterfront und Skyline / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Spaziergang am Milwaukee River

Nicht versäumen sollte man bei einem Besuch in Milwaukee einen Spaziergang am Milwaukee River. Der Milwaukee River ist 121km lang, entspringt im Fond du Lac County und fließt im weiteren Verlauf direkt durch die Innenstadt vom Milwaukee, bis er kurz darauf in den Michigansee mündet. Entlang des Michigan Rivers reihen sich zahlreiche monumentale Gebäude, Restaurants und Cafés.

Milwaukee vom Milwaukee River betrachtet / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Milwaukee vom Milwaukee River betrachtet / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Bevor ich den Tag entspannt in einem Café im Zentrum von Milwaukee ausklingen lasse, besuche ich den Milwaukee Public Market. Das Angebot ist vielfältig und wird in erster Linie von wunderbaren, Lokalen Produkten geprägt. Auf der zweiten Etage, einer großen Galerie, befindet sich ein kleiner Palmgarten, auf dem man herrlich verweilen kann. Das Marktangebot beinhaltet nicht nur frische Lebensmittel sondern auch eine große Anzahl unterschiedlicher Restaurants. Ein Besuch sollte während des Aufenthaltes in Milwaukee unbedingt auf der „To-do-Liste“ stehen. Der im Jahr 2005 eröffnete Markt liegt im Stadtteil Historic Third Ward.

Milwaukee Public Market / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Milwaukee Public Market / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Ich lasse den Tag entspannt in einem Café im Zentrum von Milwaukee ausklingen.

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Tag 12: 09. Oktober 2019 Chicago, Illinois, USA

Traumstadt am Lake Michigan

Ich muss ja gestehen, dass ich mich schon viele Wochen vor Reisebeginn auf Chicago ganz besonders gefreut habe. Wenn man an die USA denkt, dann fallen einem zuerst New York, San Francisco, Las Vegas, Miami und auch Chicago ein. Die meisten US-Großstädte habe ich in den vergangenen Jahren bereits besucht, mit Chicago hat es bislang nicht klappen wollen. Vielleicht liegt das auch an der – aus meiner Sicht – außergewöhnlichen Lage der Millionenmetropole, abseits üblicher Kreuzfahrtrouten. Chicago zählte schon vor vielen Jahren zu meinen persönlichen Traumstädten, obwohl ich wie gesagt bislang nie dort war. Ob Chicago diesen persönlichen Vorstellungen gerecht wird, möchte ich heute herausfinden. Dafür nutze ich die komplette Liegezeit und den ersten Transferbus, der mich direkt vom Terminal in die City bringt. Das Wetter heute könnte nicht besser sein, der Himmel zeigt sich völlig wolkenlos. Der erste Stopp des heutigen Tages ist am Planetarium von Chicago. Es liegt auf der kleinen Halbinsel Northerly Island. Der Blick von dort in Richtung Skyline ist phantastisch. Besser könnte der Tag in Chicago nicht beginnen.

Chicago Skyline mit Lake Michigan / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Chicago Skyline mit Lake Michigan / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Die Stadt Chicago

Der Name der Stadt leitet sich aus dem Wort Checagou ab, mit dem die Indianer das Marschland beschrieben, auf dem später die Stadt gegründet wurde. Die immer wieder verwendete Bezeichnung „Windy City“ wird oft mit dem starken Wind, der durch die Wolkenkratzerschluchten weht, beschrieben. Vermutlich wurde dieser Spitzname aber von Journalisten bereits im Jahr 1858 in einem völlig anderen Zusammenhang verwendet. Tatsächlich ist es in Chicago nämlich nicht bedeutend windiger als in anderen US-Städten. Das malerische Seeufer vom Lake Michigan hebt sich vor der beeindruckenden Hochhauskulisse der Stadt ab. Nicht nur aus touristischer Sicht hat Chicago eine immense Bedeutung. Chicago ist eine der wirtschaftsstärksten Metropolen der Welt, wozu auch die strategisch günstige Lage beiträgt. Die Stadt ist nicht nur auf dem Seeweg, über den Sankt-Lorenz-Seeweg, erreichbar sondern auch über wichtige Eisenbahnstrecken, welche die Ost- mit der Westküste verbinden. Der Eriekanal stellt eine Verbindung mit New York City und dem Atlantik her und der Illinois Waterway führt in den Mississippi, der wiederum in den Golf von Mexico führt.

Trump Tower und Wrigley Building in Chicago / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Trump Tower und Wrigley Building in Chicago / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Die Liste an Sehenswürdigkeiten in Chicago ist scheinbar endlos. Einige bedeutende habe ich hier aufgelistet.

  • Pump Station und Water Tower Place
  • Old Water Tower
  • Wrigley Building
  • Lincoln Park
  • Jay Pritzker Pavilion
  • Cloud Gate
  • Chicago River walk
  • Adler-Planetarium
  • Chicago Field Museum
  • Willis Tower (ehemals Sears Tower)
  • John Hancock Center – als 360 Chicago bekannt
  • Navy Pier
  • Buckingham Fountain

Geburtsort der Wolkenkratzer

Ein großer Anziehungspunkt in Chicago ist der wunderschön angelegte Millennium Park, an dem auch der Bustransfer vom Schiff aus endet. Vom Millennium Park aus lässt sich die gesamte Innenstadt zu Fuss erkunden. Downtown Chicago ist nach der Hochbahn benannt, welche die Innenstadt ringförmig umgibt – Loop. In Downtown reihen sich bekannte Wolkenkratzer wie der Trump Tower (423m Höhe), das Wrigley Building (Baujahr 1921/1924, 133m Höhe), das John Hancock Center (344m Höhe), der Willis Tower (442m Höhe), das Reliance Building (61m Höhe, erster US-Wolkenkratzer mit Glasfassade), das Aon Center (346m Höhe) und das Two Prudential Plaza (303m Höhe) aneinander. Mit über 400 Wolkenkratzern hat Chicago mit Ausnahme von New York mehr Wolkenkratzer als jede andere Stadt in den USA. Der erste Wolkenkratzer wurde 1885 nicht etwa in New York sondern in Chicago erbaut, das 42m hohe Home Insurance Building.

Wolkenkratzer am Chicago River in Chicago / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Wolkenkratzer am Chicago River in Chicago / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

360 Chicago – Blick aus 300m von der 94. Etage

Ich besuche am Morgen zunächst die Aussichtsplattform auf dem ehemaligen John Hancock Center, heute schlicht 360 Chicago genannt. Die Exkursion beginnt auf der Concourse-Ebene in Form einer interaktiven Ausstellung. Dort erfährt der Besucher viel über die ereignisreiche Geschichte der Stadt. Eine hervorragende Aussicht auf den Michigansee, die Skyline und die legendäre Michigan Avenue bietet sich vom Besucherzentrum aus auf der 94. Etage. Dort gibt es auch die gleichnamige Bar 94. In der Hauptsaison empfiehlt es sich, die Eintrittskarten vorher im Internet zu bestellen, da die Warteschlangen mitunter extrem lang sein können. Ich entdecke Tafeln mit dem Hinweis „Wartezeit ab hier 120 Minuten“. Ich bin zum Zeitpunkt meines Besuchs allerdings der einzige Fahrgast im Fahrstuhl in die 94. Etage.

Blick vom John Hancock Center 360Chicago / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Blick vom John Hancock Center 360Chicago / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Chicago Water Tower

Direkt im Eingangsbereich des Towers befindet sich eine Starbucks-Filiale, deren Stühle im Außenbereich neben einem kleinen Wasserfall platziert sind. Der perfekte Ort für einen kleinen Zwischenstopp. Ich laufe kurz darauf weiter in Richtung Chicago Riverwalk. Auf dem Weg dorthin entdecke ich den alten Chicago Water Tower, ein im Jahr 1869 aus Kalkstein erbauter Turm, der als zentrale Trinkwasser-Pumpstation der Stadt diente. Heute beherbergt der im britischen Neogotik-Stil erbaute Turm eine Galerie und ein Besucherzentrum des Chicago Office of Tourism. Der Water Tower überstand den Brand von 1871 und ist 55m hoch.

Chicago Water Tower und 360 Chicago John Hancock Center / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Chicago Water Tower und 360 Chicago John Hancock Center / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Chicago Riverwalk

Der Chicago Riverwalk ist eine offene Fußgängerzone am Südufer des Hauptarms des Chicago River, direkt in der Innenstadt von Chicago. Er erstreckt sich vom Lake Shore Drive bis zur Lake Street. Der Riverwalk wird auch als „Second Lakefront“ der Stadt bezeichnet. Entlang des Riverwalks sind zahlreiche Restaurants, Parks, Haltestellen für Rundfahrtboote und andere Attraktionen zu finden. Der erste Teil des Chicago Riverwalk wurde im Jahr 2001 angelegt, die letzte Erweiterung fand ihren Abschluss im Jahr 2016. Der Chicago Riverwalk wurde schnell zu einem Naherholungsgebiet für die vielen Mitarbeiter in den Büros, denn hier lässt es sich herrlich entspannen und es ist deutlich ruhiger als in der lebhaften Innenstadt. Immer wieder bieten sich außerdem wunderbare Aussichten auf die Glasfassaden der Hochhäuser. Ich habe selten so schöne Promenaden gesehen, die an einem Fluss entlang führen und keine vergleichbare, die dazu noch mitten einer Großstadt liegt.

Der Chicago River ist heute ein zentrales Highlight der Stadt, was nicht immer der Fall war. Viele Jahrzehnte lang war die Fließgeschwindigkeit des Chicago River im Stadtgebiet so gering, dass sich Müll ansammelte und der Fluss zu einer stinkenden Kloake wurde. Ein enormer Aufwand sowie der Bau eines zusätzlichen Kanals waren nötig, um den Fluss zu dem zu machen, was er heute ist. Der Chicago River ist 251 Kilometer lang und hat seinen Ursprung im Michigansee. Er gehört zum Flusssystem des Mississippi und mündet über diverse Verzweigungen schließlich im Golf von Mexico. Der Chicago River trennt die Stadt. Insgesamt stellen 38 Brücken eine Verbindung der beiden Stadthälften dar.

Naherholungsgebiet Chicago Riverwalk am Chicago River / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Naherholungsgebiet Chicago Riverwalk am Chicago River / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Shopping in Chicago

Die Zeit vergeht unglaublich schnell, überall gibt es etwas zu entdecken. Chicago trumpft nicht nur mit besonders vielen Sehenswürdigkeiten auf, die Stadt ist auch eine erstklassige Adresse zum Shoppen. Zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten gibt es sowohl für kleine als auch für große Geldbeutel. Auf den vielen Einkaufsstraßen und in den Shoppingcentern findet man alle namhaften Labels. Zu den bekanntesten Shoppingadressen zählen die Oak Street, die Magnificent Mile, 900 North Michigan, Macy´s State Street und die Woodfield Mall. Etwas außerhalb der Stadt sind Outlet-Malls zu finden.

Willis Tower (ehemals Sears Tower) – Blick aus 412m von der 103. Etage

Ein weiteres Highlight folgt sogleich. Ich werde die Aussichtsterrasse auf dem Willis Tower besuchen. Der Willis Tower ist seit seiner Eröffnung im Jahr 1974 das höchste Gebäude der Stadt und war viele Jahre lang mit 527,3m (bis zur Mastspitze) das Höchste Gebäude der Welt. Weitere Höhenangaben, die häufig zu finden sind, ist die Höhe bis zum Dach von 442,3m und die Höhe der höchsten nutzbaren Etage von 412,7m. Bis zur Eröffnung des neuen One World Trade Center in New York war der Willis Tower das höchste Gebäude in den USA. Das One World Trade Center übertrifft den Willis Tower sowohl in seiner architektonischen Höhe als auch in der Gesamthöhe bis zur Turmspitze. Aber Rekorde hin oder her, der Willis Tower ist einfach imposant, wenn man vor ihm steht. Und das, obwohl er bald 46 Jahre alt wird. Die Umbenennung von Sears Tower in Willis Tower erfolgte im Jahr 2009, nachdem zuvor der Londoner Versicherungskonzern Willis Group rund 13.000 Quadratmeter Bürofläche im Gebäude mietete und die im Jahr 2003 frei gewordenen Namensrechte erwarb. Diese hatte von 1973 bis 2003 der Sears Konzern.   Der Willis Tower besteht übrigens, was kaum bekannt ist, aus neun einzelnen Gebäudesäulen in 3×3 Anordnung. Bis zu einer Höhe von 200m bilden die Gebäude einen großen Quader. Seine Bauweise ist einzigartig. Die Aufzüge im Willis Tower zählen zu den schnellsten der Welt, sie bringen die Besucher in nur 45 Sekunden in die 103. Etage, was 8m/s bzw. rund 30 km/h entspricht.

Blick vom Willis Tower Chicago aus 412m in der 103. Etage / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Blick vom Willis Tower Chicago aus 412m in der 103. Etage / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Glasbalkone in 412m Höhe

Nachdem die Firma Willis den Turm erwarb, ließ sie in der 103. Etage an der Westseite in Form von zwei Glasbalkonen eine neue Attraktion eröffnen. Steht man in einem dieser Glasbalkone, so ist der Blick nach unten völlig frei. Die Zeit, in denen sich der Besucher in den Glasbalkonen aufhalten kann ist begrenzt. Man muss vorher in einer Warteschlange anstehen, ein Security-Mitarbeiter gibt dann die Balkone jeweils für einen Zeitraum von 90 Sekunden frei. Das mag kurz klingen, reicht aber aus, um den atemberaubenden Blick einzufangen und einige Bilder zu machen. Immerhin steht man aufgrund dieser Regelung ungestört und alleine in „seinem“ Balkon. Die Aussichtsplattform auf dem Willis Tower ist die höchste in den USA.

Glasbalkon Willis Tower Chicago in 412m Höhe / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Glasbalkon Willis Tower Chicago in 412m Höhe / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

UNITED Firmenzentrale

Es empfiehlt sich auch für die Aussichtsplattform des Willis Towers vorher eine Online-Reservierung vorzunehmen. Ohne den vorherigen Ticketkauf steht man schon mal gut 2 Stunden in der Warteschlange. Ich kann es kaum glauben, dass ich auch hier der einzige Fahrgast im Fahrstuhl bin. Interessant finde ich, dass die Willis Group, obwohl sie Eigentümer des Gebäudes ist und die Namensrechte besitzt, nicht die meiste Bürofläche im Komplex angemietet hat und auch nicht die meisten Mitarbeiter dort beschäftigt. Mit rund 75.000m² hält die US-Airline UNITED den Rekord, die seit 2012 dort die Firmenzentrale hat.

Nachdem ich wieder auf Höhe Null angekommen bin, begebe ich mich langsam zurück in Richtung Millennium Park. Dort wartet dann ein vorbestelltes Taxi der Firma Uber auf mich. Die Firma Uber ist ein US-Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in San Francisco und bietet in diversen Städten Personenbeförderungen an. Man kann über eine entsprechende App sowohl den Abfahrtsort als auch den Zielort bestimmen, was nicht nur genial, sondern auch noch günstiger als eine reguläre Taxifahrt ist.

Sehenswürdigkeiten bis auf den letzten Meter

Chicago wäre aber nicht Chicago, wenn auf den letzten Metern nicht noch weitere Sehenswürdigkeiten zu bestaunen wären. So zum Beispiel der Innenhof des Rookery-Buildings. Das Rookery Building ist ein historisches Wahrzeichen in Chicago und wurde schon im Jahr 1970 in das Register historischer Stätten aufgenommen. Das 55m hohe Gebäude wurde im Jahr 1888 eröffnet wurde. Die Lobby ist einzigartig und in ihrer gesamten Größe von einem gläsernen Dach überspannt. Der Innenhof ist mit weißem Marmor und Gold verziert. Das Rookery Building ist das älteste Hochhaus in Chicago.

/ Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
/ Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Der Mythos Route 66

Damit immer noch nicht genug, denn in unmittelbarer Nähe zum Millennium Park beginnt die berühmte Route 66, worauf ein entsprechendes Schild hinweist. Die Route 66 hat heute zwar nur noch touristische Bedeutung, da sie auf ihrer gesamten Länge durch Interstate Highways ersetzt wurde, doch der Mythos ist einzigartig. Die ursprüngliche Route 66 war 2.451 Meilen (3.945 Kilometer) lang, begann in Chicago und endete in Santa Monica, Kalifornien. Heute besteht sie nur noch in Teilen als Route 66, zieht Touristen aber weiterhin magisch an. Die Route 66 gilt auch heute noch als Symbol für Freiheit, Ungebundenheit, Abenteuer und Aufbruchstimmung. Sie steht nostalgisch-sentimental für die „gute alte Zeit“. Insgesamt sind etwa 85% der Route 66 heute noch befahrbar.

Begin Historic Route 66 Chicago / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Begin Historic Route 66 Chicago / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Pritzker Pavilion und Cloud Gate

Direkt gegenüber liegt der Millennium Park. Der Park eröffnete erst im Jahr 2004 auf einem ehemaligen Bahngelände und bildet die nordwestliche Erweiterung des wesentlich größeren Grant Parks. Seit 2009 ist der Millennium Park die zweitgrößte Touristenattraktion in Chicago, nach der Navy Pier. Das Zentrum des Parks bildet der Jay Pritzker Pavilion, eine Konzertmuschel mit 4.000 Sitz- und zusätzlich 7.000 Rasen-Sitzplätzen. In der Konzertmuschel treten nationale wie internationale Künstler auf.

Bei Touristen deutlich beliebter ist ein unweit entferntes Kunstwerk, das vielleicht meist fotografierte in Chicago – Cloud Gate, besser bekannt als The Big Bean. Die Skulptur Cloud Gate wird wegen ihrer Form The Big Bean genannt und wurde vom britischen Künstler Anish Kapoor entworfen. Sie wurde aus 168 Edelstahlplatten zusammengeschweißt und weist aufgrund einer Hochglanzpolierung keine Nähte auf. Cloud Gate wiegt rund 100 Tonnen, die Schweißnähte wurden von einer Firma gesetzt, die sich auf solche Verbindungen spezialisiert hat. Selbst wenn man die glänzende Skulptur aus der Nähe betrachtet, sind keine Verbindungen erkennbar.

Cloud Gate Skulptur Chicago Millennium Park / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Cloud Gate Skulptur Chicago Millennium Park / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Abschied von Chicago

Pünktlich zur vereinbarten Abholzeit finde ich mich am Treffpunkt vor dem Millennium Park ein. Nur einen Atemzug später biegt mein privates Taxi um die Ecke. Es war ein phantastischer Tag in Chicago. Chicago ist „in“, Chicago ist „hip“ und bietet derart viele Freizeitmöglichkeiten für jede Altersgruppe, dass man ohne Probleme auch eine ganze Woche dort verbringen könnte. Der Mix aus moderner Architektur und Natur ist einzigartig. Der Freizeitwert außergewöhnlich hoch. Bevor ich wieder an Bord der MS Hamburg gehe, werfe ich einen letzten Blick auf die Skyline und nehme Abschied von Chicago.

Und? Ist Chicago nun eine Traumstadt?

Es gilt noch die anfängliche Frage zu beantworten, ob Chicago meinen persönlichen Vorstellungen entsprochen hat und wirklich eine Traumstadt ist? Die Antwort könnte klarer nicht ausfallen, denn sie ist mehr als eine Traumstadt! Bye bye Chicago.

Um 18:00 Uhr fallen die Leinen ins Wasser des Michigansees und die MS Hamburg nimmt Kurs auf Traverse City. Die Entfernung beträgt 266 Seemeilen bzw. 493 Kilometer.

  • Gesamte Bildergalerie des heutigen Tages in Chicago <<Link>>

Tag 13: 10. Oktober 2019 Traverse City, Michigan, USA

Schon am Morgen biegt die MS Hamburg in die Grand Traverse Bay ein, eine Bucht die vom Lake Michigan abzweigt. Die Stadt Traverse City bietet an sich keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten und dient in erster Linie als Ausgangshafen für Ausflüge in die angrenzende Küstenregion. Ich entschließe mich daher dazu, einen Ausflug in den Sleeping Bear Dunes Nationalpark zu unternehmen. Nach dem Übersetzen mit den bordeigenen Tenderbooten der MS Hamburg, geht es kurz darauf in Richtung Michigansee.

MS Hamburg auf Reede vor Traverse City / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
MS Hamburg auf Reede vor Traverse City / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Die Fahrt führt über die Halbinsel Old Mission Peninsula, durch kleine Ortschaften und herrlich bunt verfärbte Laubwälder. Die intensiven Farben, die der Indian Summer hervorbringt, sind unvorstellbar. Die Laubbäume erwecken den Eindruck, als wären sie mit leuchtender Farbe bemalt worden. Eine so große Intensität der Farben habe ich bisher nirgendwo gesehen. Das Sonnenlicht verstärkt diesen Effekt noch einmal. Zunächst wird ein kurzer Stopp im Künstlerort Glen Arbor eingelegt, bevor der Bus in den Nationalpark einfährt.

Die Sleeping Bear Dunes

Das Schutzgebiet der Sleeping Bear Dunes ist etwa 288m² groß und erstreckt sich über 60 Kilometer entlang des Nordufers der Lower Peninsula des Lake Michigan. Hauptattraktion des Nationalparks sind die bis zu 140m hohen Sanddünen. Einige davon dürfen betreten werden. Von ihnen aus bieten sich wunderbare Aussichten über den Michigansee, malerische Bauerhöfe in der Region und vorgelagerte Inseln. Entstanden ist dieses Landschaftsbild in der letzten Eiszeit. Die etwa 2000 Jahre alten Dünen unterliegen durch Winderosion einem laufenden Wandel. Der schönste Aussichtspunkt liegt unweit vom Pierce Stocking Scenic Drive, direkt am Kliff. Da der Park sehr waldreich ist, bieten die leuchtenden Farben der Blätter einen schönen Kontrast zum Sand und dem blauen Himmel.

Sleeping Bear Dunes National Lakeshore Aussichtspunkt / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Sleeping Bear Dunes National Lakeshore Aussichtspunkt / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Der Name Sleeping Bear Dunes soll auf eine rührende Geschichte zurückgehen. Einst soll eine Bärin mit zwei jungen vor einem Waldbrand geflüchtet und in das Wasser des Sees gesprungen sein. Die Bären schwammen um ihr Leben. Als die Mutter das andere Ufer erreichte und auf eine Düne kletterte, um nach ihren Jungen Ausschau zu halten, sollen diese im Wasser ertrunken sein. Noch heute soll die Bärin nach ihnen Ausschau halten, woran die Form der Dünen erinnert.

Nach einigen, kurzen Wanderungen im Rahmen mehrerer Fotostopps, besuchen wir noch den Village Park in der kleinen Stadt Empire. Vom Village Park aus erhasche ich noch einen Blick auf die Dünen. Sehr schön anzuschauen ist das Robert H. Manning Memorial Lighthouse, neben dem unser Bus auf einem Parkplatz hält.

Indian Summer im Village Park bei der Stadt Empire / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com
Indian Summer im Village Park bei der Stadt Empire / Foto: Oliver Asmussen/oceanliner-pictures.com

Mit der abendlichen Rückkehr zur MS Hamburg endet dann auch mein zweiter Teil der Reisebericht-Serie „Große Seen und Indian Summer mit der MS Hamburg“.

Wie geht es weiter?

Der weitere Verlauf der Kreuzfahrt ist noch einmal sehr abwechslungsreich. Er bietet von der zweiten Durchfahrt des Wellandkanals, über einen Besuch in der größten Stadt Kanadas, bis zum Erlebnis des Indian Summer Höhepunktes, eine klasse Kombination aus Großstadt- und Naturerlebnissen. Im Folgenden dritten und letzten Teil beantworte ich noch die offene Frage, was es mit der Bezeichnung „Indian Summer“ auf sich hat und schließe mein persönliches Fazit dieser Kreuzfahrt.

Fortsetzung in Reisebericht Teil 3

Oliver Asmussen

Oliver Asmussen, 1976 in Hamburg geboren und dort aufgewachsen, entdeckte seine Vorliebe zur maritimen Kreuzfahrt und Fotowelt bereits in der Jugend. Seit mehreren Jahren sind seine Bilder beliebte Motive in verschiedenen Medien. Darüber hinaus betreibt er die größte Kreuzfahrt-Bilderseite www.oceanliner-pictures.com und verbringt viele Tage im Jahr auf unterschiedlichen Kreuzfahrtschiffen.
Oliver Asmussen