Reisebericht: Mit Farbe um die Welt!

mit Farbe um die Welt /Foto: Boris Noruschat
mit Farbe um die Welt /Foto: Boris Noruschat

oder auch „Wie ist es überhaupt mit Gästen an Bord zu malen?“

Vom 26. November bis 18. Dezember 2018 reiste Maler Boris Noruschat von Kreuzfahrtunikate als Gastkünstler mit der MS Hamburg von Plantours Kreuzfahrten von der Karibik bis zum Zuckerhut. 

Im heutigen Reisebericht verrät uns der Künstler was, er an Bord erlebt hat und vor allem, wie es war, mit den Gästen zu malen. 

Wie kam ich zur Malerei?

Geprägt durch die Besuche bei meinen Großeltern in Schweden hatte ich schon immer eine Affinität zu Schiffen. Für mich stand früh fest, Kapitän zu werden. In der späten Jugend habe ich mich nur noch für Kreuzfahrtschiffe interessiert. Lang ist es her und bis heute ist diese Liebe geblieben. Schulisch hat es mangels Fleißes allerdings nicht zum Kapitän gereicht, was ich heute bereue. Dass ich aber trotzdem auf Kreuzfahrtschiffen arbeite und das schon viele Jahre, verdanke ich meiner anderen Leidenschaft – der Malerei.

Vorbereitungen

Meist steht eine Arbeitsfahrt schon viele Monate vor Abreise fest. Die Reederei schaut auf welchen Routen sie Tageskünstler benötigt und man bekommt die Anfrage. Um es mal vorweg zu nehmen, es benötigt viele Jahre, bis man in dieser Runde aufgenommen wird.

Wie ist es nun, mit den Gästen an Bord zu arbeiten? Was ist bei Seegang? Wie ist das logistisch mit dem Material? Und überhaupt, kann jeder mitmachen?

Wie man sich diese Arbeit vorstellen kann, möchte ich anhand einer Reise im November/Dezember 2018 auf der MS Hamburg von Plantours erzählen.

Reiseroute / Foto: Boris Noruschat
Reiseroute / Foto: Boris Noruschat

 

Im kalten November 2018 hieß es Koffer packen und es ging ab in Richtung Flughafen Frankfurt. Packen heißt in meinem Fall immer 20kg Privat- und 20kg Künstlergepäck. Gerade beim Künstlergepäck ist es ständig eine knifflige Sache. Was nehme ich mit und in welcher Menge? In den Kursen arbeiten wir mit Acrylfarbe und jede Tube oder Flasche Farbe summiert sich von Gramm zu Kilos. Es ist nicht selten, dass ich schon mit Packen fertig war und dann doch wieder von vorne anfangen musste. In der Regel brauche ich, bis ich zufrieden bin, drei Tage. Ich muss immer bedenken, dass ein Nachkauf, irgendwo am anderen Ende der Welt, nicht möglich ist. Das Reiseziel diesmal hieß Karibik, Amazonas und Brasilien. Für mich eine wichtige Information, da ich somit einen roten Faden besitze, mit dem ich dann an Bord mein Programm stricke.

Alles muss wirklich sehr gut und sicher verpackt sein. Damit auf der Reise keine Katastrophen passieren. 2014 hatte ich einmal dieses Desaster und habe schnell gelernt, dass ich eine spezielle Transportbox benötige. Ich war nach einer beendeten Reise in Bremerhaven beim Auschecken und wurde ausgerufen, da das Transportband plötzlich in allen Farben leuchtete. Mehrere Farbflaschen waren beschädigt und die Farben liefen munter im Koffer aus. Ein teurer und unnötiger Ärger, der mich da heimsuchte.

Anreise nach Barbados

Zurück nach Frankfurt. Schon beim Einchecken der Chartermaschine von Plantours, schaue ich mir oft die Gäste an. Mein Hirn rattert: 1. Wen erkenne ich wieder und 2. wer wird mich später besuchen. Auf dem Hinflug ist man noch anonym und unsichtbar – auf dem Rückflug ist genau das Gegenteil der Fall. Denn dann weiß jeder, wer der „Pinselheini“ ist.

Nach 11 Stunden kamen wir entspannt in Barbados an und wurden zum Schiff gebracht. Das Einchecken läuft identisch, wie bei den anderen Passagieren. Extrawürste gibt es nur im Fernsehen. Eventuell anders als bei meinen Mitreisenden, habe ich gerade bei der MS Hamburg stets das Gefühl, nach Hause zu kommen. Das Schiff ist mir genauso vertraut, wie seine Besatzung und der Kapitän. Aber hierfür benötigt es ebenfalls einige Jahre. Nach der Begrüßung bekomme ich meine Kabine zugewiesen und kann mich erst mal von der Anreise erholen. Natürlich mache ich dann meine Runde und begrüße die Crew. Meetings sind meist erst später.

Willkommen an Bord

In den Zusammenkünften mit der Leitung und den anderen Künstlerkollegen werden die Zeiten abgesprochen. Sobald mir meine Einsatzzeiten vorliegen, fange ich an, meinen roten Faden zu ummanteln. Dieses Programm wird dann der Kreuzfahrtleitung übergeben. So können die Gäste durch das Tagesprogramm, über die Aktivitäten und Shows, informiert werden.

Am zweiten Abend ist in der Regel die Begrüßung durch den Kapitän und seiner Crew. An dieser Stelle werden auch wir Künstler auf der Bühne vorgestellt. Die Gäste erfahren, wer wir sind und was wir anbieten. Zusätzlich hängt im Schaukasten ein Bildchen mit einer Kurzinfo von uns aus. 

In unserem Fall war der nächste Tag Trinidad Tobago. Die ersten Gäste erkennen einen nach dem Vorstellungsabend schon an Deck oder bei den Mahlzeiten. Natürlich kommen die ersten Fragen:

„Sie sind doch der Maler. Wo haben Sie studiert? Was malen Sie vom Stil eigentlich? Wo stellen Sie aus? Muss man Sie kennen?“

Gefolgt von: „…ich male auch, …malen kann ich nicht,  für mich ist das nichts, …ich schicke meinen Mann, meine Frau.“

Für mich ist es besonders schön, zu hören und so war es auch dieses Mal abermals: „Toll das Sie wieder da sind! Ich war schon mal in Ihrem Kurs, wir haben den Orient zusammen gemacht.“

MS Hamburg / Foto: madle-fotowelt
MS Hamburg / Foto: madle-fotowelt

 

Kursbeginn

Der erste Landgang Scarborough /Tobago – die Gäste fotografieren auf Teufel komm raus. Ich schlendere umher und sammele Eindrücke; besondere Momente halte auch ich mit der Kamera fest.

Zurück an Bord kommt am Nachmittag die erste Kursstunde, in der es darum geht, was die Gäste erwartet. Eine reine Präsentation, so wie es auch im Tagesprogramm steht.

Ich bin gern ein paar Minuten früher beim Termin und setze mich dann zu den ersten Gästen, die schon auf den „Lehrer“ warten. Langsam füllt sich die Lounge. Im Schnitt kann man sagen, sind es zwischen 10% und 15% der Gäste, die diesen Kreativkurs besuchen.

Punkt 15 Uhr äußert eine Dame „Das ist ja ein Ding, Informationsstunde und wir sitzen hier allein!“  Ich stehe auf und sage: „Gut, wenn keiner kommt, mache ich das halt!“  Ein seichtes Gelächter füllt den Raum.

Schon sind wir dadurch in einer gut gelaunten Stimmung. Ich berichte erst einmal von meiner eigenen Person, wie ich angefangen habe, was ich so in meinem Atelier mache und wie ich auf Kreuzfahrtschiffe gekommen bin. Dann kommt meine typische Frage: „Wer hat schon mal gemalt?“  Es ist fast immer dieselbe Situation. Es melden sich 1-2 Gäste, die anderen sagen nichts. Die Beiden, die sich gemeldet haben, spielen ihr Können aber auf meine Nachfrage sofort runter: „…schon lange her‘, ‚…nicht professionell und eher schlecht als recht.“

Zu diesem Zeitpunkt lasse ich die Aussagen so stehen, da ich jetzt schon weiß, es ist eh nicht so. Der Rest der Interessierten behauptet überhaupt nicht malen zu können, bzw. noch nie gemalt zu haben, wollen aber die Chance nutzen, sich hier zu probieren. ‚Perfekt‘, denke ich, ‚das ist genau die Mischung, an der ich am meisten Spaß habe.‘ Ich informiere darüber, dass ich Leinwände und Acrylfarben, als auch Aquarellfarben mitgebracht habe, darüber hinaus Kohle, Pastellkreiden und viele verschiedene Papiersorten. Da dies immer recht umfangreich ist, kommt grundsätzlich und zeitnah die Frage nach den Kurskosten. Hier kann ich die Gäste überraschen, denn durch meine lange Erfahrung in der Szene ist es mir gelungen, für diese Fahrten einen Materialsponsor zu gewinnen. Somit ist mein Kurs immer kostenfrei.

Ich berichte, dass wir keine Zeit für Farbenlehre oder Unterricht verschwenden werden. Wir haben auf der Reise ‚Schulferien‘ und werden am nächsten Tag sofort praktisch starten. Ich werde den Gästen zeigen, wie das geht. Mit der Hausaufgabe, dass sich jeder ein Motiv aussuchen soll, welches Ihm gefällt und die seinem Geschmack entspricht. Eine Situation zum Beispiel beim nächsten Ausflug. Damit entlasse ich die Gäste mit dem Versprechen, dass wir genau diese Motive dann auf die Leinwand malen werden.

Motivsuche

Der nächste Landgang Port of Spain / Trinidad: Ich finde Teilnehmer des Kurses in meiner Ausflugsgruppe wieder. Die Mangrovenwälder bestaunend, fällt mir etwas Schönes auf, nämlich, dass meine ‚Schäfchen‘ nun ganz anders fotografieren. Sie sind gezielt auf der Suche nach Motiven. Prima, nun können wir mit dem Malen starten!

Mangrowenwald / Foto: Boris Noruschat
Mangrowenwald / Foto: Boris Noruschat

 

Der weiterführende Kurstag (Seetag) ist für mich jedes Mal spannend. Meine grauen Zellen rattern wieder: Wer kommt vom Infotag wieder? Wie viele werden wir sein? Reicht mein Material? Oder sitzen die Leute lieber an Deck in der Sonne und genießen das karibische Meer?

Punkt 16 Uhr. Einige Gäste sitzen schon eine geraume Zeit, andere suchen sich noch einen Platz. Der ein oder andere fehlt, dafür kommen neue Gesichter. Der Schnitt passt und wir fangen an.
Auf der MS Hamburg haben wir das große Glück, in der Lounge, am Heck, arbeiten zu dürfen. Hier kann ich für jeden Teilnehmer einen Arbeitsplatz einrichten. Die großen Fenster bescheren ausreichend Tageslicht, welches jeder Künstler benötigt. Siehe da, auch die vermissten Personen tauchen noch auf. „Boris wir haben uns beim Kaffee verquatscht und die Sonne ist so schön.“ Verständlich. Zu Hause frieren die Leute gerade und wir kreuzen durch türkises Wasser.
Als Erstes basteln wir uns Namensschilder. Ich habe mir angewöhnt, dass wir uns bei den Vornamen nennen, aber ‚siezen‘. Das funktioniert tadellos.

Der Lehrer ist ein Spielverderber

Beim Erstellen der Schilder kommen die von mir erwarteten Fragen: „Wo sind die Pinsel? Wo ist die Farbe?“ Auf meiner Kabine antworte ich und blicke, auf jeder Reise, in erstaunte Gesichter. „Sie haben doch gestern gesagt, keine Theorie, wir starten sofort!“

„Na das machen wir ja auch! Aber ich habe Ihnen auch gesagt und versprochen, den Weg zu zeigen, wie Sie Ihr Fotomotiv auf die Leinwand bekommen.“ Ich verteile beim Erzählen an jeden Teilnehmer bzw. Teilnehmerin einen Bleistift und Papier. Irgendwie muss ich dabei immer schmunzeln, denn die eine Hälfte ist gespannt, den anderen sehe ich die Enttäuschung an.

Nun hat jeder ein anderes Motiv, das heißt, mein Job artet gerade in Sport aus. Ich flitze von einem Tisch zum nächsten, schaue mir Motive an und sage den Leuten, wie sie ihre Stifte am besten einsetzen können.

Das ist bei jedem Bild gleich. Wir ermitteln die, für das jeweilige Bild, wichtige Horizontlinie und fangen an, einzelne Bestandteile zu skizzieren. Hierbei wird dem Teilnehmer vermittelt, wie Sie nun Ihr Bild aufbauen und wie Sie mit Proportionen umgehen sollten. Das ist wichtig für die räumliche Vorbereitung. Jetzt ist auch der Zeitpunkt wo ich erkenne, wer geflunkert, bzw. mir verschwiegen hat, dass er doch malen kann. Wenn ich die Gäste darauf anspreche, ernte ich nun das bekannte und verschmitzte Grinsen. Wir kommen super durch unsere gemeinsame Stunde und verlassen gut gelaunt den Kurs.

Das neue Ausflugsziel Ile Royale / Französisch Guyana, bekannt aus dem Kinofilm Papillon, könnte nicht spannender sein – die Gefängnisinsel Saint Laurent. Ob sich jetzt einige meiner neuen ‚Künstlerkollegen‘ auf ein anderes Motiv festlegen? Ich weiß es in diesem Moment nicht und es bleibt spannend.

Ile Royale / Foto: Boris Noruschat
Ile Royale / Foto: Boris Noruschat

 

Die Stimmung an Bord ist ausgelassen und fröhlich, die Leute sind sehr gut drauf, nicht nur in meiner Gruppe.

Seetag ist Mal-Tag

Seetag ist immer Mal-Tag. Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen und die Teilnehmer sind heiß darauf, endlich mit Farbe zu agieren. Tja, wenn da nicht der „Lehrer“ wäre. Er bremst mal wieder… Alle die erkennbar noch nicht gemalt haben und natürlich auch die anderen, bekommen eine Leinwand und einen Buntstift. Da wir unsere Entwürfe nun vom Format her vergrößern möchten, bitte ich darum, die Konturen und den Horizont zu übertragen. Derweil baue ich die Farben und Pinsel auf.

Da uns die Crew hier arbeiten lässt, wie wir es brauchen, gibt es auch einige Vorschriften zu beachten. Also werden zuerst alle Tische mit Folie abgedeckt, die Teppiche gesichert und das Wasser nur in geringen Mengen verteilt. Die größte Herausforderung besteht nun für mich darin, den Teilnehmern den Umgang mit der Farbe zu erklären. Wie anfangs bemerkt, kann ich auf der Reise nichts nachkaufen. Zum Glück ist Acryl sehr ergiebig, aber nur wenn wir auch sparsam sind. Einige haben die Umstände nicht ganz verstanden und ihre Teller sind schon so voll mit Farbe, dass sie noch eine Reise, mit einem Malkurs, dranhängen könnten. Aber auch das kenne ich schon und kalkuliere es stets ein.

Auf dem Amazonas

Es gibt Tage und Situationen, die kann man nicht in Worte fassen. Wir sind schon den ganzen Tag auf dem Amazonas unterwegs und malen heute vor einer der schönsten Kulissen, die man sich denken kann. Rechts und links der Regenwald und wir sitzen hinter unseren riesigen Panoramascheiben und malen. Die MS Hamburg ist eines der ganz wenigen Schiffe, die aufgrund ihrer Größe den Amazonas befahren kann und darf. Ein wunderbares Schauspiel. Viele Gäste waren schon stundenlang an Deck und werden nach dem Kurs wieder dorthin zurückkehren. Es gibt auch Teilnehmer, die sich speziell für heute abgemeldet haben. Das ist kein Problem, denn wir haben Zeit genug. Es wird fleißig gearbeitet und ich gehe mal wieder von Tisch zu Tisch und beantworte Fragen, gebe Tipps bzw. verrate Tricks – wie arbeitet man Tiefen heraus, wie füge ich wo einen Schatten ein und einiges mehr.

Amazonas / Foto: Boris Noruschat
Amazonas / Foto: Boris Noruschat

 

Zur Belustigung aller ist heute der „Lehrer“ Gesprächsthema. Wir hatten gestern eine wilde Äquatortaufe bzw. Fete und auch ich mache immer gerne mit. So stand ich gestern neben Neptun als Astronomus verkleidet und habe die Gäste bespaßt. In den letzten Tagen sind wir eine tolle Maltruppe geworden, die auch außerhalb des Kurses immer viel Spaß hat. Genau das ist es, was ich an meinem Job so Liebe – einerseits das Vermitteln und Anlernen der Teilnehmer und ganz besonders der persönliche Kontakt. 

Die ersten ‚Maler‘ haben Ihr Bild vollendet und starten mit dem Zweiten. Ein Ausreißer ist schon bei Nummer Vier. Da wir immer völlig abgeschirmt und in Ruhe arbeiten, wird öfters darüber gewitzelt, dass zum Glück keiner unsere Bilder sieht.

Was ich meinen Teilnehmer zu diesem Zeitpunkt noch verschweige, dass ich immer zum Abschluss eine Vernissage mache und alle fertigen Werke ausstelle. Sie ist ein fester Programmpunkt im Tagesprogramm, mit Durchsage und Sektempfang. Nur zu früh darf ich das nicht bekannt geben, da sonst Panik und Angst entsteht und sich jetzt noch keiner vorstellen könnte, wie begeistert die anderen Gäste sein werden.

Arbeitsbild / Foto: Boris Noruschat
Arbeitsbild / Foto: Boris Noruschat

 

Brasilien

Brasilien wir kommen. Nicht nur in unserem Kurs wird es gerade sehr farbenfroh, auch das Land, welches wir nun mehrfach besuchen werden, könnte schillernder nicht sein. Alle Gäste incl. meiner Teilnehmer sind fasziniert von Brasilien und dem ganzen Trubel. Oder liegt es an diesem krassen Kontrast, den wir gerade gegenüber dem Amazonas erlebt haben? Eine Dame aus meiner Gruppe treffe ich beim Anlegen: „Sagen Sie Boris, haben Sie uns heute geweckt? Ich muss lachen. „Das habe ich.“ Wann immer ich kann, übernehme ich gerne mal den Morgenwecker, der die Gäste auf den Kabinen mit Musik und Infos auf den Tag vorbereitet. Zum einen macht es einfach Spaß, zum anderen, weiß ich, dass die Crewkollegen dann mal 10 min länger schlafen können. Ich sagte ja anfangs schon – es ist wie nach Hause kommen – eine Art Familie.

Auch in Brasilien begleite ich wieder Ausflüge. Dabei schaue ich immer gerne, was die landestypischen Straßenkünstler so gemalt haben und kaufe auch ganz gerne ein Werk zur Erinnerung. Hierbei zieht man meist einen Gast mit, der noch gezögert hat. „Also, wenn Sie das kaufen Boris, nehmen wir auch eins.“  Das freut mich, speziell für den Straßenkünstler, denn der lebt davon.

Straßenkünstler / Foto: Boris Noruschat
Straßenkünstler / Foto: Boris Noruschat

 

Meist ist ein Ausflug so prägend, dass Teilnehmer das Erlebte unbedingt noch in einem weiteren Bild verarbeiten wollen. So auch auf dieser Reise. Kurz mit der Leitung und Kreuzfahrtdirektorin abgesprochen, bekommen wir noch etwas extra Zeit zugesprochen und können unsere Werke vollenden.

An Bord ist alles sehr genau geplant und getaktet, das muss auch so sein. Man kann aber ab und zu ein wenig Zeit rausschlagen, denn Dienst nach der Stechuhr, gibt es an Bord eh nicht. Wer so etwas erwartet, der sollte an Land arbeiten.

Es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! Jede Frau und jeder Mann hatte mindestens ein Bild vollendet.

Das war nicht immer leicht. Natürlich ist es gerade für Anfänger manches nicht begreiflich. Doch gibt auch immer wieder Menschen, die eine genaue Vorstellung haben und mit Ihrer Arbeit nicht zufrieden sind. Was ich immer wieder höre: „…das geht nicht, das wird nichts, ‚…Sie sagen immer, das wird noch, glaube ich aber nicht, ‚…scheußlich, ‚…die anderen sind besser, ‚…ich kann das nicht und, und, und.“

Eine Dame war so unzufrieden und hatte den Glauben an ihr Bild, an sich und an mich verloren. Sie sagte wörtlich zu mir: „Boris mir reicht es jetzt, ich schmeiß das jetzt weg und das war es!“

Ich habe Ihr das Bild weggenommen und Sie gebeten, einen Kaffee trinken zu gehen und erst am nächsten Tag wieder zu kommen.

Siehe da, das Bild wurde von ihr perfekt beendet. Manchmal braucht man einfach etwas Abstand zu seinem Werk, das geht mir nicht anders. Noch eins zu dieser Dame – wir sind mittlerweile sehr gute Freunde geworden. Ich habe Sie zu Hause besucht und dort hängt fein gerahmt das Bild, was Sie zerstören wollte.

Was meine Teilnehmer vorher nicht wissen, ich habe eine Engelsgeduld und somit ist in all den Jahren, egal welches Schiff es war, noch nie jemand ohne sein Bild von Bord gegangen.

Die Vernissage

Wenn Sie nun das Foto der Ausstellung sehen, bedenken Sie bitte, dass 2/3 der Werke von Teilnehmern gemalt wurden, die noch nie einen Pinsel und Leinwand in den Händen hielten. Faszinierend – oder?

fertige Werke / Foto: Boris Noruschat
fertige Werke / Foto: Boris Noruschat

 

Der große Tag ist immer ein Highlight. Meine Teilnehmer sind ganz nervös. Sie sehen Ihre Bilder jetzt auch erst wieder, ausgestellt im Licht und mit genügend Abstand zum Betrachten. Unser Gruppenfoto wird gemacht und wir stoßen an. Dann öffnen wir die Türen und jeder Gast des Schiffes kann und darf nun staunen. Es ist wirklich nicht selten, dass Sie Sätze hören wie „wäre ich doch mal hin gegangen.“ Der Kurs strahlt dann immer und steht Rede und Antwort zum eigenen Werk. Nun sind sie doch überrascht, was für eine positive Resonanz kommt. Ich verschwinde dann immer mehr in den Hintergrund und genieße in irgendeiner Ecke das Geschehen.

Rio de Janeiro

Sind Sie mit einem Kreuzfahrtschiff schon einmal in Brasilien in Rio de Janeiro eingelaufen, den Zuckerhut im Visier und dazu einen herrlichen Sonnenaufgang? Die meisten Gäste haben schon ab 5 Uhr draußen gestanden, auch einige aus dem Kurs. Wir waren uns alle einig, wiedermal ein Motiv, das man weder mit Farbe, noch mit der Kamera wiedergeben kann. Aber es inspiriert für die nächsten Werke und einige haben sich vorgenommen, zu Hause weiter zu machen. Ich bekomme immer wieder Post von ehemaligen Teilnehmern, die tatsächlich durch einen Kurs auf dem Schiff, zur Malerei gekommen sind. Das ist für mich der beste Lohn.

Rio De Janeiro / Foto: Boris Noruschat
Rio De Janeiro / Foto: Boris Noruschat

 

Heimreise

Inzwischen haben wir Dezember – von der Copa Cabana, bei 40 Grad, geht es zurück ins kalte Deutschland. Ein Wort noch zur Heimreise. Hier bin ich nun nicht mehr unsichtbar und ich stehe auch noch auf dem Heimweg den Gästen zur Verfügung. Es gibt immer noch einige Fragen zum Ablauf, die man gerne beantwortet, selbst wenn man schon lange kein gelbes Plantours T-Shirt mehr anhat.

Spannend ist immer die Ausreise aus dem jeweiligen Land, denn wir erinnern uns an mein Gepäck. Mein Künstlerkoffer hat zwar keine 20kg mehr, aber ich habe immer noch Farbe dabei. In Rio entbrannte eine „tolle“ Diskussion. Die Dame vom Zoll verstand mich überhaupt nicht. Was aber nicht an meinen Englischkenntnissen lag, sondern an ihren. Meine Erklärung, was ich im Koffer habe und wofür ich das benötige, interessierte sie recht wenig. Wir wurden beiseite genommen und mein Gepäck bekam die Spezialbehandlung. Man dachte dort, dass ich Waffen, Sprengstoff und Äxte dabeihätte. Leider keine komische Situation und glücklicherweise hat sich alles noch pünktlich geklärt. 

Das Wetter

Natürlich hatte ich schon auf Reisen Wetter, das nicht so schön wie in diesem Beispiel war. Raue See, lange Dünung, es gibt viele Faktoren, die das Schiff ordentlich zum Schaukeln bringen. Mich persönlich stört das nicht. Wenn jemand damit klarkommt, arbeite ich an den Tagen auch nur mit einer oder zwei Personen. Alle anderen sind entschuldigt und steigen bei besserem Wetter wieder ein. Die schwersten Stürme hatte ich persönlich immer nachts, wenn eh nicht gearbeitet wird bzw. kein Programm war.

Die Teilnehmer

In der Regel sind sie sehr gemischt, prozentual aber immer mehr Frauen, was aber leider nicht an meiner Person liegt. Der jüngste Teilnehmer war 3 Jahre, die älteste Teilnehmerin 87 Jahre. Ich freue mich über jeden, der das Motto versteht, wir wollen hier Spaß haben.

Übrigens lasse ich mir immer das Gruppenfoto vom Bordfotografen in Teilnehmerzahl fertigen. Einige Monate später, dann, wenn keiner mehr daran denkt, schicke ich die Fotos mit einem Gruß -nach dem Motto – ‚…wissen Sie noch?‘ an alle TeilnehmerInnen. Gerade jetzt ist es wieder geschehen.

Wenn Sie sich für solche Kurse interessieren, fragen Sie doch vorher mal bei Ihrer Reederei nach und wer weiß, vielleicht malen auch wir mal zusammen. Es würde mich freuen.

Pinselheini / Foto: Boris Noruschat
Pinselheini / Foto: Boris Noruschat

 

Es gibt viel zu tun, malen wir es an.

Herzlichst Ihr / Euer Boris Noruschat

von www.Kreuzfahrtunikate.de